Die Familien der Nachkommen von Johann Wilhelm Redecker
Vorstellung von Familie Gerdes
Vorgetragen von Klaus Jürgen Gerdes
Die Gerdes Familie sind die Nachkommen der ersten Tochter unseres Vorvaters, Johann Wilhelm Redecker, mit Namen Louise Minette Amalie Redecker, geboren am 9. Januar 1870.
Als sie 12 Jahre alt war, starb die Mutter an inneren Verletzungen, die sie sich zuzog beim Verschieben eines schweren Schrankes, als sie ihr Schlafzimmer einem schwerkranken Malariapatienten zur Verfügung stellte. Louise und ihre zwei Brüder, Wilhelm und Friedrich, wurden bei Missionar Diehl in Okahandja aufgenommen und blieben dort drei Jahre. Danach wurde Louise von einer Missionarsfamilie mit nach Deutschland genommen. Sie kehrte nie wieder in ihre Heimat zurück. Später heiratete sie den Diakon Fritz Gerdes von der Bethel Mission in Tanganjika (heute Tansania), der dort unter den Geisteskranken arbeitete. Später waren sie als Hauseltern in Bethel, Deutschland, tätig. Aus der Ehe wurden 6 Kinder geboren:
- Luise Gerdes, geb. 1898, starb an Malaria in Ostafrika.
- Wilhelm Gerdes, geb. 1900, starb im Alter von 21 Jahren.
- Fritz (Friedrich Christian Wilhelm) Gerdes, geboren 1901 in Soest.
Er hatte eine Landwirtschaftsausbildung und interessierte sich sehr für Afrika.
Im Jahre 1923 kam er nach Westfalenhof als Gehilfe und arbeitete auch zeitweise in Lievenberg.
1926 übernahm er die Leitung der Handwerksschule in Gibeon.
Er heiratete im April 1928 Grete Schlüter aus Lievenberg. Ihnen wurden 2 Kinder geboren:
- Ingeborg am 29. Mai 1929
- Hartmut am 6. Juli 1930
Die Mutter der beiden Kinder verstarb im Juni 1932, und der Vater saß mit 2 kleinen Kindern. Er fand eine liebevolle Person, Maria Emilie Runge, bekannt als Mariele, um sich den Kindern zu widmen und sie zu heiraten.
Jürgen wurde am 1. November 1934 in Gibeon als siebtes Kind geboren. Er wurde von der Roten Kreuz Schwester Else Spilker liebevoll betreut, die auch seine Patentante war.
Die Handwerksschule wurde 1946 aufgelöst, und Vater bekam bald eine Stelle als Farmverwalter bei Sam Cohen auf Farm Tubussis im Erongo. Im Dezember 1950 kaufte er das Grundstück mit einem Laden in Otjimbingwe von Frau Weihrauch. Das Gebäude wurde 1896 errichtet und später noch ein weiteres gebaut.
Ingeborg starb im Februar 1951 in Grootfontein, als sie Kleidung in Benzin bei einer Petroleumlampe reinigte. Alles explodierte, und sie verbrannte.
Vater erkrankte 1968 an einem Schlaganfall und war pflegebedürftig. Seine Schwester Luise (genannt Liesel) kam aus Deutschland zur Hilfe und pflegte ihn bis zum Lebensende am 22. März 1973. Danach führte Mutter Gerdes zusammen mit Hartmut den Laden weiter bis zu ihrem Tod am 29. Oktober 1981. Heute ist der Laden in schwarzen Händen. Hartmut starb im November 2000 im Altersheim in Grootfontein.
Jürgens Nachkommen sind heute alle hier vertreten.
- Paul Gerdes hatte drei Söhne. Es leben noch die Söhne Hans und Walter. Der zweite Sohn, Siegfried, war hier zur 100-Jahr-Feier in Otjimbingwe. Er konnte mit seiner Gitarre gute Stimmung machen. Er verstarb am 15. November 2004.
- Luise Gerdes war Lehrerin in Deutschland und besuchte die Familie hier im Lande. Auch zur 100-Jahr-Feier war sie gekommen. Sie kümmerte sich sehr um uns hier in Südwestafrika. Ein Lebkuchenpaket aus Nürnberg war uns immer zu Weihnachten ein willkommenes Geschenk, ebenso ein Paket mit vielen kleinen Geschenken, liebevoll verpackt, und geistliche Literatur war auch immer dabei. Sie starb im März 2004.
- Hermann Gerdes hatte einen Sohn Hubert, geboren im Februar 1943, gestorben am 8. Juli 2010.
Vorstellung von Gottlieb Wilhelm Eduard Redecker
Untere Reihe von links: Marie-Luise Junker, geb. Redecker, mit Sohn Ernst, Frau von Wilhelm Junker.
Daneben: Johanna Marie Elise Redecker, geb. Kornfeld, Frau von Gottlieb Redecker.
Gottlieb und Marie-Luise (meine Großmutter, siehe „Junker-Familie“) waren Geschwister.
Er war das zweite Kind und der 1. Sohn von unserem Urgroßvater. Er wurde am 14. Mai 1871 in Otjimbingwe geboren und lebte dort, bis er 11 Jahre alt war. Er spielte mit den einheimischen Kindern und lernte durch sie fließend Nama und Herero sprechen. Historisch interessant ist sein Brief an einen Vetter in Deutschland, in dem er von dem „Rinderstehler Krieg" berichtete. Die Namas trieben den Hereros die Rinder weg, und es kam zu teils blutigen Kämpfen, bis die Tiere zurückerobert wurden. Nach dem Tod der Mutter wurde Gottlieb 1882 mit einer Kaufmannsfamilie zu Verwandten nach Deutschland geschickt. In seinen Lebenserinnerungen beschreibt er diese lange Reise über Walfischbai, nach Kapstadt, und von dort nach Southampton, insgesamt vier Monate. Sehr schwer fiel ihm der Abschied von allem, vor allem dem Grab der Mutter in Otjimbingwe. Und dann noch die lange Seereise, während der er wochenlang seekrank war! Über vieles war er in Deutschland mehr als verwundert, so z. B. die zuverlässigen Postkästen. Häufig und gerne schrieb er nach Hause, dem Vater mal in Englisch, den Geschwistern oft auf Nama. Ein Kuriosum ist die Beschreibung seiner polizeilichen Anmeldung: Da der Vater schon über 10 Jahre im Ausland lebte, hatte er die deutsche Staatsangehörigkeit verloren. Welche Nationalität hatte Gottlieb? Für ihn war es selbstverständlich, dass er ein Deutscher war, aber für den Beamten nicht. „Ich sollte daher ein anderes Volk angeben, zu dem ich gehörte.“ Sehr schwierig! Da er im Damaraland geboren war, stellte der Beamte schließlich entschieden fest: „Dann bist Du eben ein Damara."
Gottlieb absolvierte das Gymnasium, studierte das Baufach und wurde Bauingenieur. Er arbeitete von 1893 bis 1899 bei einer Firma (Brücken- und Wagenbau und Walzwerk) in Duisburg in Deutschland. Zwischenzeitlich, vom Oktober 1895 bis zum Februar 1897 wurde er beurlaubt, da er von der Firma Hälbich in Otjimbingue einen besonderen Auftrag erhielt: er sollte dort eine Wagenfabrik bauen und für die Lieferung und Aufstellung der dazugehörigen Maschinen sorgen. Gottlieb kannte die Firma und den Ort von Kindheit an, er kannte die Transportprobleme von Deutschland mit Schiff und Ochsenwagen, er muss ein sehr guter Ingenieur und Organisator gewesen sein. Er ließ 1896 dort den ersten Windmotor im heutigen Namibia errichten. Dieser trieb die gesamte Maschinerie der Fabrik an.
Er kehrte 1897/98 nach Deutschland zurück und heiratete 1898 Marie, geborene Kornfeld, aus Gütersloh. 1899 wurde er vom Kaiserlichen Gouvernement von Deutsch-Südwestafrika als Regierungsbaumeister in Windhoek angestellt. Ihm unterstand nach 3 Jahren das gesamte Bauwesen des Landes. Da er Nama und Herero gut beherrschte, konnte er oftmals als Dolmetscher hinzugezogen werden. Nach seinen Entwürfen wurden viele Gebäude errichtet. Bekannt sind die Christuskirchen in Windhoek (1910) und in Karibib (1910), sowie der Tintenpalast in Windhoek. Ihm wurden Orden und Auszeichnungen verliehen. 1911 wurde seine Tochter Ilse geboren. Bis 1921 blieb er in Südwest mit unterschiedlichen Tätigkeiten. Dann verließ er für immer seine afrikanische Heimat, lebte in Berlin und kam zusammen mit seiner Frau tragischerweise bei einem Bombenangriff in der kleineren Stadt Gütersloh ums Leben, während sein Haus in Berlin unversehrt blieb. Seine Tochter hinterließ keine Nachkommen.
Habe den Vortrag nach folgenden Berichten zusammengestellt:
- N. Mossolow: „Architekt Gottlieb Redecker“ aus „Afrikanischer Heimatkalender“,1978
- W. Moritz: „Vier Generationen Redecker in Namibia seit 1866“, 2010
Vorstellung von Familie Junker
Vorgetragen von Ingrid Junker-Wolf
Zur Erinnerung an unsere Großmutter Marie-Luise Junker, geborene Redecker (1.5.1875 – 26.8.1947) und an unseren Großvater Wilhelm Junker (17.10.1868 – 14.11.1933) und zur Erinnerung an unseren Vater Ernst Junker (1.8.1897 – 4.3.1953) schenkte uns unsere Mutter Herta Junker, geborene Winter (16.8.1904 – 12.3.2004) diese Aufzeichnungen.
Wir nannten unsere Großmutter Junker immer „Großmama Bi“, da sie damals in Bielefeld wohnte.

Aber da muss ich zunächst mit meiner Großmutter beginnen. Marie-Luise Redecker war das 3. Kind unseres Urgroßvaters aus der ersten Ehe, geboren am 1. Mai 1875 in Otjimbingwe. Sie lebte dort bis zum Tod der Mutter, da war sie gerade 7 Jahre alt. Für 3 Jahre wurde sie dann von ihrer Patentante Koch in Walfischbai betreut und kehrte mit der zweiten Heirat des Vaters nach Otjimbingwe zurück.
Meine Großmutter hat später ihre Erinnerungen in einem sehr interessanten Bericht festgehalten. Dort schreibt sie von dem Unterricht bei Missionar Bernsmann, später Meyer, einer 8-klassigen Schule von ca. 12 Kindern. Mit 14 endete die Schule, dann wurde sie zusammen mit August Hälbich von Missionar Brinker konfirmiert. Mit 17 ging sie für 2 Jahre zu einer bekannten Familie nach Kapstadt, um Haushaltsführung zu erlernen. Sie berichtet von einer harten Lehrzeit von morgens 6 Uhr bis abends um 10 Uhr. Als sie 19 war, kehrte sie nach Otjimbingwe zurück und berichtete, dass sie sich mit 20, also 1895, mit Wilhelm Junker verlobte. Aber wie und wo haben sich die beiden kennengelernt? Wir, die Nachkommen, sind neugierig, würden es gerne wissen, haben dazu aber nie etwas gehört.
Nun muss ich aber zunächst von unserem Großvater Wilhelm Junker berichten. Er wurde 1868 in Werther bei Gütersloh/Westfalen geboren. Er machte eine Banklehre. Als einfacher Reiter kam er 1889 mit den ersten 50 Mann aus Deutschland nach Deutsch Südwestafrika. Schon nach einem Jahr wurde ihm die Leitung des Büros der kleinen Schutztruppe übergeben. Als sich meine Großmutter 1895 mit ihm verlobte, hatte er in Windhuk die Stellung eines Landrentmeisters. Auch als die Schutztruppe sich stark vergrößerte, behielt er mit eisernem Fleiß alles in zuverlässiger Ordnung. Durch sein Wissen und die gewonnene Erfahrung konnte er in höhere Posten aufsteigen. Ab 1910 wurde er Finanzdirektor beim Kaiserlichen Gouvernement, ab 1913 war er Direktor der Landbank von Deutsch-Südwest. Er engagierte sich auch in anderen Fachgebieten, z. B. ab 1915 im Deutschen Schulwesen in DSW. Da er sich 1921 weigerte, die englische Staatsangehörigkeit anzunehmen, musste er zurück nach Deutschland. Als einfacher Reiter kam er ins Land, als Geheimrat verließ er Deutsch-Südwest. Er lebte dann endlich wieder zusammen mit seiner Familie in Bielefeld. Mein Großvater starb 1933.
Wilhelm Junker und Marie-Luise Redecker heirateten 1896 in Otjimbingwe. In der alten Missionskirche war meine Großmutter getauft, konfirmiert und also auch getraut worden. Mit der Heirat zog sie nach Windhoek. Wie sie berichtet, war es ihr zunächst schwergefallen, als “Beamtenfrau“ in der Stadt zu leben. Doch bald fand sie Freunde: Die Familien Schmerenbeck, Stern und Siebe (Pastor in Windhoek) waren in allem füreinander da. 1897 wurde mein Vater Ernst Junker als erster deutscher Junge in Windhoek geboren. Aus diesem Grund wurde Gouverneur von Lindequist sein Patenonkel und dazu wurde Tante Schmerenbeck seine Patentante. Wie habe ich mich gefreut, als ich 1999 beim ersten Besuch des Museums in Swakopmund das gespendete Wohnzimmer des Ehepaars Schmerenbeck mit Fotos der beiden sehen konnte. Ja, das war die Patentante meines Vaters, von der ich ein Foto und Briefe in meiner Kindheit gesehen hatte. Bis 1903 wurden noch zwei weitere Kinder geboren: Hildegard (Hilde) und Herbert.
Am Ende des Jahres 1900 erhielt mein Großvater eine besondere Aufgabe. Da es in Deutsch-Südwestafrika sehr an deutschen Frauen mangelte, erließ der Deutsche Kolonialverein in Deutschland einen Aufruf, in welchem Frauen zur Auswanderung nach Deutsch-Südwestafrika mit möglicher Verheiratung aufgefordert wurden. Da meldeten sich eine Menge offenbar unternehmungslustiger Frauen. Großvater erhielt die Aufgabe, diesen Frauentransport noch vor Weihnachten mit einem anderen Südwester von Swakopmund nach Windhoek zu begleiten. Das Unternehmen erhielt die passende Bezeichnung: „Die Weihnachtskiste“! Mein Großvater allerdings war so „genervt“, dass sein abschließender Kommentar dazu lautete: „Lieber will ich einen Sack Flöhe hüten, als dies nochmals tun!“ Eine solche „Überraschungskiste“ gab es übrigens danach noch einmal.
Mein Vater hatte von Geburt an ein Hüftleiden. In unserer Familie wurde berichtet, dass meine Großmutter sehr gerne eine erfahrene schwarze Hebamme (vielleicht die „Schwarze Johanna“?) [20] bei der Geburt als Hilfe gehabt hätte. Das muss mein Großvater aber abgelehnt haben, die Geburt sollte von einem Militärarzt begleitet werden. Erfahrungsgemäß dauert die Geburt beim ersten Kind etwas länger. Das muss für die beiden Männer - Arzt und Großvater - eine große Herausforderung gewesen sein, die sie nur durch entsprechenden Alkoholgenuss überstehen konnten. Wahrscheinlich war bei meinem Vater durch die Geburt eine Hüfte ausgerenkt, evtl. lag auch eine Fehlbildung vor. Im ersten Fall hätte eine erfahrene Hebamme gleich verändernd eingreifen können, aber der Militärarzt war sicher nur froh, dass alles vorbei war. So kam es, dass mein Vater in den ersten Lebensjahren ein Bein nachschleppte. 1901, mein Vater war 4 Jahre alt, machten meine Großeltern mit ihm und der kleinen Hilde die lange Reise nach Deutschland. Herbert blieb bei den Großeltern in Otjimbingwe. Durch eine „unblutige“ Operation, sicher mittels einer sogenannten „Spreizhose“, wurde im Laufe von etlichen Monaten meinem Vater durch Professor Bergmann in Berlin geholfen. Er konnte wieder normal gehen. Nach einem Jahr kehrten alle vier nach Deutsch-Südwestafrika zurück.
1904, als der Herero-Aufstand ausbrach, hielt sich meine Großmutter mit den 3 Kindern und Tante Schmerenbeck mit Sohn Hans gerade in Otjimbingwe auf. Dort wurde am 11. Januar 1904 die Hochzeit von Klärchen Hälbich und Herrn von Goldammer gefeiert. Einen Tag danach brach der Aufstand aus, die Großmutter berichtete „wie aus heiterem Himmel“. Nachrichten zur Ermordung von Bekannten trafen ein. Sehr anschaulich schildert sie, wie man sich in Otjimbingwe auf eine Verteidigung vorbereitete. Das Hälbichsche Haus mit Pulverturm wurde zur kleinen Festung eingerichtet, Proviant und Munition besorgt, Laufgräben und mit Stacheldraht versehen) um das Haus herum angelegt.
Anfangs hatte der dort zuständige Häuptling Zacharias versprochen, den Krieg, solange er es konnte, nicht mitzumachen. Am 18.Januar starteten meine Großmutter mit Tante Schmerenbeck und den Kindern einen Fluchtversuch unter der Führung von Hr. Weihe (Bruder von Tante Schmerenbeck) nach Windhoek. Das war alles sehr riskant! Den stark fließenden Swakop mussten sie unter Lebensgefahr zweimal durchqueren. Beinahe wären sie mit ihrer Ochsenkarre in einen tödlichen Hinterhalt geraten. Rechtzeitig wurden sie noch gewarnt, kehrten um, mussten den Swakop noch zwei Mal durchqueren und kamen nach zwei Tagen wieder in Otjimbingwe an.
Wenn ich mich an meine Großmutter zurückerinnere, so habe ich das Bild einer zarten und sanften Frau vor mir. Damals, 1904, muss sie eine mutige Südwesterfrau gewesen sein, die reiten und schießen konnte! Bald wurden die Deutschen auch in Otjimbingwe angegriffen, sie konnten sich in ihre „kleine Festung“ zurückziehen und sich unter dem Kommando von Herrn von Frankenburg zwei Monate lang verteidigen. Durch die Vermittlung von Großvatern bei Gouverneur Leutwein konnten meine Großmutter, Tante Schmerenbeck und die 4 Kinder unter dem Schutz von 12 berittenen Soldaten bis Karibib gebracht werden. Dann nahmen sie die Bahn nach Windhoek.
Aus unterschiedlichen Gründen (Unsicherheit in Deutsch Südwestafrika, Asthma meiner Großmutter und eine bessere Schulbildung der Kinder) verließ meine Großmutter 1905/1906 mit den drei Kindern für immer ihre Heimat Deutsch-Südwest. Sie lebte von da an in Gütersloh, dann in Bielefeld. Wie sie berichtet, hat sie der Heimat sehr nachgetrauert. Sicher dachte sie oft, dass sie nochmals nach Südwest zurückkehren könnte. Vor dem Ersten Weltkrieg besuchte mein Großvater zweimal seine Familie in Deutschland. Wilhelm Junker hätte voraussichtlich in Deutschland keinen entsprechenden Posten gefunden. Ihm wurde in Deutsch Südwestafrika außerdem großes Vertrauen entgegengebracht. Sicher fühlte er sich mit diesem Land und seinen Geschicken sehr verbunden. Dennoch litt er unter der Trennung von seiner Familie. Dies geht aus vielen Briefen hervor. Rückhalt fand er bei Freunden und Verwandten. Er genoss häufig Gastfreundschaft und Mittagstisch bei der Familie Voigt und seinem Schwager Gottlieb Redecker. Meine Großmutter berichtet, dass sie nach 1915 zwei schwere Jahre erlebte: Es gab keinen Briefkontakt mit ihrem Mann und auch kein Geld. Die Post ging, wenn überhaupt, teilweise über die Schweiz oder Schweden. Wie oben erwähnt, kehrte Wilhelm Junker 1921 endgültig nach Deutschland zurück.
Nun noch kurz zu meiner eigenen Junker-Familie. Mein Vater Ernst Junker ging mit 18 Jahren 1915 freiwillig in den Krieg. Nach einer schweren Handverletzung endete der Wehrdienst. Er studierte Maschinenbau und leitete ab 1933 eine Firma.
In Dorsten/Westfalen 1953 starb mein Vater nach einer OP. Ich wuchs in Dorsten auf, habe noch fünf ältere Geschwister. Einige von euch kennen sicher meine Schwester Waltraud, die in München lebt und den Nachlass von Tante Ilse, Gottlieb Redeckers einziger Tochter, regelte. Mein Vater erzählte uns Kindern oft von Deutsch Südwest. Spannende Erzählungen waren das! 1945 erhielten wir oftmals Pakete aus Südwest. Das waren immer Überraschungen: grüne Kaffeebohnen und andere Nahrungsmittel, die in bunten Stoffen eingenäht waren. Dann, ganz wunderbar „Schokolade“, die es bei uns gar nicht gab! Auch bunte Wolle und das Tollste für mich waren die Damen Reitstiefel, die mir gerade passten. In der Schule rief mich meine Englischlehrerin nach vorne, hielt mich vor der Klasse hoch in die Luft und sagte: „Ingrid trägt heute Boots!“ Solche tollen Schnürstiefel, wie ich sie trug, hatte keiner zu der Zeit bei uns in Deutschland. Meine Mutter hielt einen regen Briefkontakt mit den Verwandten in Südwest, mit Onkel Willi und Tante Anna auf Westfalenhof, Tante Anne Staby, Onkel Willi Stritter und später mit Onkel Armin und Lenchen auf Westfalenhof und in Swakopmund. Sie nannte gerne die teils schwierigen afrikanischen Namen der Farmen und Orte. Später, als sie nicht mehr gut sehen konnte, habe ich oftmals die Grüße für sie geschrieben. Meine Mutter starb 2004, sie wurde beinahe 100 Jahre alt.





Vorstellung von Familie Willy Redecker – Westfalenhof
Beitrag von Friedrich Redecker
(Die Bilder hängen im Original im Farmhaus auf Westfalenhof.)
1996 wurde schon einmal 100 Jahre Westfalenhof gefeiert. Es waren 83 Leute dabei, viele, die auch jetzt dabei sind. Leider sind 7 davon bis jetzt verstorben.
Es ging mir immer wieder der Gedanke durch den Kopf, was der Sinn und die Ursache dieses Treffens ist – insbesondere im Hinblick auf 150 Jahre Redeckers in SWA/Namibia. Meine Schlussfolgerung lautet: Wir kommen zusammen, um unseren Vorfahren zu gedenken, die hier im Land unter schwierigsten Umständen Großes geleistet, Opfer gebracht und Verluste erlitten haben, stets im Vertrauen auf Gottes Hilfe. Sie hielten den Kopf hoch und machten unermüdlich weiter.
Zu Hans-Erik Stabys 70. Geburtstag hielt er einen Diavortrag für seine Nachkommen: "Wenn du nicht weißt wo du herkommst, weißt du nicht wo du hin sollst."
Daran erinnere ich mich noch gut. Mein Großvater Friedrich Wilhelm Redecker, auch Willy genannt, den ich und meine älteren Geschwister, die alle vier hier sind, nie kennenlernen durften, wurde am 18. Dezember 1876 als sechstes Kind von Johann Wilhelm Redecker geboren. Johann Wilhelm kaufte nach 26 Jahren Aufenthalt in Otjimbingwe die Farmen Westfalenhof und Lievenberg von dem Häuptling Zacharias Zeraua. Den originalen Kaufvertrag habe ich hier in einer Schublade.
Westfalenhof wurde zunächst von Lievenberg aus verwaltet und nach dem Bau des Hauses im Jahr 1913 dann direkt von Westfalenhof aus. 1909 heiratete Willy Anna Dúmmen, und sie hatten sechs Kinder, von denen das erste leider nach zwei Monaten verstarb. Die Wasserversorgung auf den Farmen war natürlich von entscheidender Bedeutung, weshalb hier am Haus und im Swakopfluss ein Brunnen gebaut wurde. Leider enthielt das Wasser nur Brackwasser, sodass es lediglich für den Garten verwendet werden konnte. Achthundert Meter von hier waren riesige Anabäume[14]und Anfang von 1900 wurde dort ein Senkbrunnen gebaut.
Die Großeltern begannen dann mit einem Käsebetrieb, da es damals noch keine Fleischproduktion gab. Sie mussten ein Produkt schaffen, das Einnahmen brachte und lange haltbar war: den Limburger Käse. An einem Standort hier, etwa 4 Kilometer entfernt, wurden rund 250 Kühe gemolken – Stripp, Strapp und Strull.

Hier steht heute ein elektrisches Kühlhaus. Der Käse ging per Ochsenwagen ungefähr 50 Kilometer nach Wilhelmstal zur Bahnstation, von wo aus es weiterging nach Südafrika und Mosambik.
Meine Großmutter Anna besuchte 1939 ihre Kinder in Deutschland, die dort zur Schulausbildung waren. Nach Beginn des Krieges gab es keine Möglichkeit, wieder nach Südwest zurückzukommen. In dieser Zeit bewirtschafteten Großvater, Tante Margarethe und der Verwalter Hans von Grüter die Farm. Als unsere Großmutter dann 1948, nach dem Krieg und einem neunjährigen Aufenthalt, zurückkehrte, verstarb Opa Willy nur zwei Wochen nach ihrer Rückkehr.


Jetzt zu meinem Vater, Armin Friedrich Redecker, und meiner Mutter: Er wurde 1914 in Karibib geboren. In Lievenberg gab es von 1918 bis 1929 eine Farmschule, die er bis zu seinem zehnten Lebensjahr besuchte. In den Ferien fuhr ein Ochsenwagen im Trockenrivier Batenbach 12 Kilometer hoch, während von Lievenberg ein Ochsenwagen 24 Kilometer fuhr, da es dort flacher war. Mittags wurde umgeladen, und dann kamen sie nach Hause oder umgekehrt. Das war für die Kinder immer das Schönste, wenn sie nach Hause kamen. Mit 10 Jahren wurde mein Vater nach Deutschland geschickt. Nach dem Abitur war er drei Monate in Südwestafrika und ging dann für ein Lehrerstudium wieder zurück.


Nachdem mein Großvater 1948 verstorben war und der jüngere Bruder Walter 1944 gefallen war, entschlossen sich meine Eltern, 1949 nach SWA zurückzukehren. Ich, Friedrich Redecker, wurde heute genau vor 65 Jahren geboren, also bin ich der einzige Eingeborene. 1965 kauften die Eltern die ersten Brahmanen aus Südafrika und fingen Mitte der 70-er Jahre eine Trophäenjagd an.

Bei der Vorbereitung zu dieser Rede stellte ich fest, dass Großvater Willy 35 Jahre hier gefarmt hat, mein Vater 30 Jahre und ich bin jetzt schon 38 Jahre hier (Stand 2017).
Ich werde nicht viel über das erzählen, was meine Frau Uta und ich in den 38 Jahren hier gemacht haben, sondern nur einen kleinen Überblick über unsere Familie geben: Zwei meiner Söhne, Jürgen und Gernot, sind heute hier, und dazu kommen fünf Enkeltöchter, von denen drei anwesend sind.
Wir haben die Brahmanenzucht etwas vergrößert, und durch die Trophäenjagd haben wir viele gute Freundschaften weltweit geschlossen und es stets genossen.
Zum Haus: Das Gebäude wurde 1913 von Gottlieb Redecker entworfen und von Italienern, die damals hier im Land umherzogen, gebaut. Die Fundamentsteine aus Granit wurden etwa 2 Kilometer von hier per Ochsenwagen herangeschafft, und die Mauern wurden aus getrockneten Lehmsteinen errichtet und mit gebranntem Kalk verputzt. Das Holz für den Dachgiebel, die Fußböden und die Decken stammt aus Kanada und wurde per Bahn und Ochsenwagen über Wilhelmstal bis hierher transportiert. Vor zwei Jahren waren amerikanische Jäger hier, die sehr erstaunt waren, dass es so lange (6 Meter) Bretter für den Fußboden gab, denn solche gibt es heute nicht mehr.
Wenn jemand die Geschichte von Westfalenhof erzählen könnte, wäre es wahrscheinlich dieser Prosopisbaum in der Mitte des Hofes, der wohl kurz nach dem Hausbau gepflanzt wurde. Er verdankt sein Überleben den deutschen Eichen, die wir hier pflanzen wollten und die die Jäger mitgebracht hatten, aber nicht in diesem Klima gedeihen konnten, da sie für Afrika keinen geeigneten Lebensraum boten.
Mein Großvater mütterlicherseits, Opa Wilhelm Meyer (hier mit einem Äffchen in der Hand), war Architekt und Ingenieur und hat viel in Swakopmund mitgebaut. Er kam einmal im Jahr für 2 bis 3 Monate zu Besuch. Heute vor 60 Jahren waren die Lievenberger und Okatjirute Redeckers, also Onkel Zepp und Onkel Wilhelm, zu Besuch und machten „Sundowner“. Dabei waren auch drei ältere Jungen, die von ihren Eltern eine Flasche Wein gestohlen hatten. Sie gaben dem Affen etwas davon und hatten ihren Spaß dabei. Nach einiger Zeit war der Affe betrunken und lag nur noch auf der Seite. Meine Mutter musste ihn in sein Häuschen bringen und machte sich große Sorgen, was ihm wohl fehlte. Am nächsten Morgen war ich früh draußen und sah Globi, der furchtbare Kopfschmerzen hatte. Sechs Monate später waren die Familien wieder hier, zusammen mit den drei Jungen, und die wollten Globi streicheln. Dieser wollte jedoch nicht davon wissen, packte zwei von ihnen an den Haaren, schüttelte sie und schrie. Jetzt weiß ich auch, warum mein Bruder Hermann keine Haare auf dem Kopf hat – die anderen waren Sieghart und Manfred.


Letztens möchte ich euch allen danken, dass ihr gekommen seid! Ein besonderer Dank gilt dem Komitee und Gerhard für den Stammbaum.
Ergänzung zur Dümmen-Familie in Deutschland, vorgetragen von Gerhard Redecker: Durch eine Internet- und Stammbaum-Recherche haben wir einige Dümmens in Deutschland gefunden, und ein paar Nachkommen hätten gerne kommen wollen, mussten aber leider aus gesundheitlichen Gründen absagen.
Vorstellung von Familie Friedrich Redecker - Lievenberg
Vorgetragen von Manfred Redecker. Zusammengefasst aus der Text Version der Tonaufnahme und Teile die aus dem Gedächtnis wiederholt wurden.
Zuerst möchte ich mich beim Komitee bedanken, dass sie Lothar beauftragt haben, diese „Speech" zu halten - aber mein Bruder Lothar hat den Schwarzen Peter weiter geschoben und gesagt, ich soll das machen!
Ich möchte Lothar dafür danken, dass er mich in diese etwas prekäre Lage gebracht hat. Aber im Ernst: "Es ist mir eine Ehre, hier vor Ihnen zu sprechen."
Ich habe mir dann überlegt, was man sagen kann. Der Stammbaum ist so komplett, da habe ich mir gedacht, über den werde ich nichts sagen. Wenn ich mir die Ahnentafel betrachte und die vielen Verstorbenen so anschaue, fällt mir ein Motto ein: „Genieße das Leben ständig, denn du bist länger tot als lebendig“.
Wenn wir auf unsere Ahnentafel schauen, sehen wir eine lange Reihe von Menschen, die vor uns gelebt haben. Sie alle hatten ihre Träume, ihre Hoffnungen und ihre Ängste. Lassen Sie uns ihr Vermächtnis ehren, indem wir unser eigenes Leben in vollen Zügen genießen.
Wir sind alle Glieder einer großen Kette. "Lasst uns unser Leben so gestalten, dass es für unsere Nachkommen eine Inspiration ist.”
Ich möchte nochmal erzählen, wie die Redeckers überhaupt nach Namibia gekommen sind. Ich weiß nicht, ob ihr das alle wisst! Ich habe das in der Bibliothek der Stadtverwaltung von Stellenbosch nachgelesen. Johannes Dönges und Johann Wilhelm Redecker wurden 1865 von der Rheinischen Mission nach Stellenbosch gesandt, um dort auf ihre zukünftige Tätigkeit vorbereitet zu werden. Einer von ihnen sollte nach Otjimbingwe, der andere nach Piketberg. Doch wie wurde das entschieden? Weiß das jemand?
Sie mussten Streichhölzer ziehen – ein kurzes und ein langes! Stellt euch vor, Johann hätte das lange Streichholz gezogen – dann wären wir heute „Koringboere“ (Weizenfarmer) im Kapland.
Stellt euch vor: Zwei junge Männer stehen vor einer Landkarte Afrikas. In ihren Händen halten sie zwei Streichhölzer – eines kurz, das andere lang. Ihre ganze Zukunft hängt von diesem kleinen, zufälligen Akt ab.
Anmerkung: Dönges war der GroßVater des späteren südafrikanischen Präsidenten, Eben Dönges. Dann habe ich noch im Internet gelesen, dass der erste Redeker (zum Glück ohne „c“) zwei Jahre nach Jan van Riebeeck ans Kap kam und 1658 eine Nama San geheiratet hat.
Im Jahre 1785 - mehr als 100 Jahre nach van Riebeeck - kam ein Redecker nach Südafrika, um die Bräuche der Einheimischen zu studieren. Seitdem ist nie wieder etwas von ihm gehört worden. Er wurde vielleicht aufgegessen oder hat sich vermischt.
Jetzt etwas ganz Wichtiges über Onkel Gottlieb. Er hat über eine Annonce (ca. 1903) in Deutschland einen Gehilfen für die Ochsenwagenfabrik gesucht und Max Pupkewitz[15] hat sich gemeldet.
Ich habe festgestellt, dass durch die ganze Familie Redecker ein hohes Maß an Disziplin und Perfektionismus geht. Onkel Gottlieb hat diesen armen Judenburschen in den Hintern getreten, weil er die Speichen nicht richtig gemacht hat. Das hat Harold mir erzählt. Daraufhin ist Max zurück nach Polen. Als der 1. Weltkrieg ausbrach, meinte Max, dass Gottlieb Redecker nicht so schlimm wie der Krieg sei und kam zurück nach Südwestafrika. Er hat aber dann eine eigene Ochsenwagenfabrik in Okahandja gegründet.
Über Onkel Gottlieb: Es gibt ein paar Personen in der Familie, die etwas Außergewöhnliches geleistet haben. Ich habe gesagt, dass Onkel Gottlieb der Erfinder von Fiberglas ist, weil er 500 Rinder geschoren hat, deren Haare mit Gips gemischt und die Kuppel der Christuskirche damit gebaut hat. Sie hält heute noch.
Dann haben wir noch eine Abnormalität, nämlich Tante Renate. Sie hat im Alter von 56 Jahren ihr Medizinstudium angefangen. Weitere Personen sind Hans-Erik Staby, der an der „Constitution“ von Namibia mitgeschrieben hat. Und dann haben wir die Jüngste, Cornelia Hahn, die jetzt den Airbus fliegt.
Die Geschichten, von denen wir heute etwas lernen können:
Onkel Willy Stritter hat Vieles erzählt, was früher passiert ist. Ich kannte ja unseren Großvater nicht und Onkel Willy von Westfalenhof war unser Ersatzgroßvater. Er war unheimlich witzig und hat uns oft Witze erzählt. Was Onkel Willy Stritter mir erzählt hat, bezeugt, wie zufrieden die Menschen damals waren. Als 1924 der Dodge nach Lievenberg kam, waren Fritz Gerdes und auch Willy aus Westfalenhof dabei. Es wurde Bier auf den Tisch gestellt und dann liefen die Burschen minutenlang um das Auto. Sie haben drunter geguckt, alles inspiziert und kamen zu dem Entschluss: „Ein Automobil lässt sich nicht verbessern.“ Wenn Winterkorn das gehört hätte! Wenn es diese Karren heute noch gäbe, hätten wir kein Problem mit dem Diesel Gas.
Mein Vater Friedrich Wilhelm Heinrich Redecker war während des 2. Weltkrieges in Südafrika interniert und wurde nach der Internierung ein halbes Jahr lang bei Professor Smuts in Stellenbosch untergebracht, um sich nach den 6 Jahren „Holiday" im Internierungslager zu akklimatisieren. Professor Smuts hat uns Vieles beigebracht, was typisch für Afrika ist. Wir mussten mit ihm Obst stehlen („vrugte steel“). So wurden wir früh in die afrikanische Diebeskultur eingeweiht. Lehre der Geschichte: Lass dich nicht bei Untaten erwischen.
Ich erinnere mich an ein Erlebnis beim Pastor Pönnighaus. Ich lag auf dem Teppich und der Dackel von Pönnighaus lag vor mir und guckte mich ständig an und da spuckte ich ihm auf die Nase. Zack, biss er mir in die Nase. Die Eltern sprangen auf. Ich habe nichts gesagt. Ich wurde getröstet, der Dackel wurde verhauen. Da habe ich gelernt: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.
Max war ein Damara auf Lievenberg. Er musste immer die Laken in einer riesengroßen Wanne mit einem Stampfer waschen. Max roch nicht sehr gut und mein Bruder Sieghart kam auf die Idee, Max von hinten zu schubsen, um ihn auch zu waschen. Er hat ihn in die Wanne geschubst. Mein Vater hat es gesehen und Sieghart bekam eine Tracht Prügel. Lehre der Geschichte: Wenn du stinkst, wasche nur dich selbst.
Von den Westfalenhofern kannte ich nur Onkel Willy, Tante Frieda und Tante Auguste. Als Jürgen Staby und ich Standard 8 waren, ist etwas Schlimmes passiert. Tante Auguste hat in Okatjerute Urlaub gemacht. Jürgen und ich gingen in Omaruru ins Kino. Das hat Tante Auguste mitbekommen und betrachtete es als große Sünde. Deshalb hat sie zwei Wochen lang nichts gegessen, sie hat gefastet.
Ein schönes Erlebnis hatten wir mit Onkel Zepp. Es herrschte eine Dürre in etwa 1950. Wir sind mit meinem Vater nach Toggenburg getreckt. Auf der Farm sagten die Viehtreiber, dass dort viele Löwen seien. Onkel Zepp war etwas ängstlich. Nachts lagen wir im Freien auf den Feldbetten und Onkel Zepp leuchtete mal links, mal rechts mit der Taschenlampe, bis er dann einschlief. Um 3 Uhr in der Nacht kam der größte Schrei, den ich je gehört habe. Eine Kuh leckte Onkel Zepp durch das Gesicht. Sicherlich dachte Onkel Zepp, es sei ein Löwe.
Mein Vater und Onkel Zepp waren sehr sportlich: (Kugelstoßen usw.) und wir mussten immer mitmachen, hatten aber keine große Lust dazu, mit dem Erfolg, dass wir als Schlappschwänze betitelt wurden.
Vater Wilhelm hat sich zu Anfang der Ferien immer die Schulzeugnisse vorgeknöpft. Wir mussten dann schräg hinter ihm stehen, wenn er seine Urteile von sich gab. Ich bin dann manchmal leise weggeschlichen und Vater Wilhelm hat dann alleine weiter gebrummt. Moral der Geschichte: Wenn dir einer an den Kragen will – dann suche das Weite!
Manchmal hatten die Erwachsenen die Katze am Schwanz: Wenn mein Vater aus Omaruru kam und Mehlsäcke auf der Ladefläche hatte, mussten wir sie abends abladen. Der Grund war: Weil die Autofedern sonst über Nacht papp werden.
Noch schlimmer: Oma Mandis frühe Sexualaufklärung: „Spiele nicht mit deinem Johannes, das kann zur Erblindung führen."/p> -
Christuskirche (Entwurfszeichnung)

Es wurde ein Wettbewerb in Deutschland ausgeschrieben, um die Kirche in Windhoek zu entwerfen. Außer Gottlieb Redeckers Vorschlag kamen 8 Vorschläge aus Deutschland. Gottliebs Vorschlag gewann, weil er meinte, die Architekten hätten keine Ahnung, wie ein Gebäude in SWA auszusehen hätte. Gottlieb wurde von den Kumuluswolken inspiriert; man kann den Entwurf der Christuskirche an den Wolken erkennen.
Vorstellung von Familie Stritter
Vorgetragen von Rainer Seifart
Rainer Seifart ist der Jüngste von Tante Lenchen Seifart, geborene Stritter. Ich war der Nachzügler. Unser Großvater, Heinrich Stritter, hatte 19 Enkelkinder. Der Ӓlteste war Ernst Stritter, ich bin der Jüngste und wir beide haben am 6. August Geburtstag. Als Ernie seinen 77. Geburtstag im Jahre 2013 feierte, bin ich auf die Idee gekommen, dass wir uns als Stritter Familie nicht nur zu Beerdigungen treffen, sondern ein Mal im Jahr ein Treffen planen. 2014 fand dieses Treffen in Gocheganas statt, 2015 auf Farm Heimat, 2016 in Otjimbingwe und auf Westfalenhof, 2017 auf Westfalenhof und ab dem Jahre 2018 soll es alleine laufen.
Ich habe schon immer großes Interesse an der Familiengeschichte und an Otjimbingwe gehabt. Abends, wenn ich mich unter die Decke bei meiner Mutter gekuschelt habe, hat sie mir nicht von Hänsel und Gretel erzählt – stattdessen hat sie mir aus diesem gelben Album vorgelesen und Geschichten über unsere Familie erzählt. Wir sind auch oft nach Otjimbingwe gefahren. Vor ein paar Wochen hat mich ein Mann angerufen, der ein Buch über Otjimbingwe schreiben möchte. Ich habe etwa acht Stunden mit ihm verbracht. Wir sind durch die Gebäude, die Gärten und zu den Brunnen gelaufen und haben uns alles angeschaut. Ich habe dabei viele Informationen weitergegeben und bin immer gerne bereit, mein Wissen zu teilen.
Johanna Redecker ist die Älteste aus der zweiten Ehe von Johann Wilhelm Redecker. Seine erste Frau war verstorben. Die Informationen, die ich habe, besagen, dass die Mission diese Nachricht in einem Tagesblatt oder Missionsbericht veröffentlichte. Daraufhin meldete sich eine Diakonin, die erklärte, dass sie sich um diesen Mann kümmern würde und nach Südwestafrika kommen wolle. Johann Wilhelm Redecker erhielt dann einen Brief, in dem stand, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Frau für ihn in Walvis Bay ankommen würde. Eine halbe Stunde nach ihrer Ankunft wurden sie getraut und lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Aus dieser Ehe wurde Johanna Maria Charlotte Emilie geboren, die in Otjimbingwe lebte.
Heinrich Stritter aus Biebrich wollte nach der Schule ins Ausland und kam schließlich hierher. In Gaub baute er eine riesige Steinmauer, und als das Projekt zu Ende war, war er auf dem Weg nach Karibib über Omburu. In Karibib traf er beim Einkaufen auf Onkel Fritz Redecker, der ihn ansprach. Da Tante Dieta auch aus der Gegend stammte, lud Fritz ihn nach Lievenberg ein. Dort angekommen, traf Heinrich Johanna, und die beiden verliebten sich sofort. Etwa eine Woche später gingen sie zu Johann Wilhelm Redecker und fragten, ob sie heiraten dürften. Er war zwar nicht begeistert, da sie sich erst so kurz kannten, konnte sie aber auch nicht wirklich aufhalten – schließlich hatte er seine Frau auch nur eine halbe Stunde vor der Hochzeit kennengelernt. Eigentlich fand er es seltsam, dass die beiden sich so schnell näher kamen, aber was sollte er schon sagen? Schließlich hatte er seine Frau ja auch erst kurz vor der Hochzeit kennengelernt.
Sie heirateten, und Heinrich erhielt von der Rheinischen Mission den Auftrag, die verfallene Missionsstation Omburu wieder aufzubauen. Dort wurden Willy und Gretel Stritter geboren, und nach meinen Informationen wurden sie auch dort getauft. Als das Projekt abgeschlossen war, kehrten sie nach Otjimbingwe zurück. Dr. Karl Frei schlug vor, dass Heinrich eine Handfertikeitssschule aufbauen sollte, um den einheimischen Schülern den Umgang mit Holz beizubringen. Er sollte außerdem Schultische und -bänke anfertigen. Daraufhin riss er das alte Kommissariat ab, und in der Nähe seines Hauses wurde die Schule errichtet, wo er den Schülern Handfertigkeiten beibrachte. Damit wurde er zum Staatsangestellten. Heinrich verkaufte seine Ländereien in Deutschland und kaufte mit dem Erlös die Farm Kurikaub.





Die Mutter Johanna starb schon im Jahre 1938. Willy Stritter machte seine Ausbildung als Lehrer in Südafrika, Tante Gretel war in Swakopmund. Am Schwersten hatten es meine Mutter und Tante Mariechen, die in Otjimbingwe zurückbleiben mussten. Es ist eine lange Geschichte, wie Lenchen ihren Mann Ulli kennenlernte.
Hier ist auch ein tolles Bild von 1935 mit Beschriftungen, wer wer ist. Zu den Fotos wurde sich immer schön gekleidet, auch an Sonntagen.


Ich habe auf der Farm Heimat ein kleines Familienmuseum mit 3 Räumen. Dort habe ich Zinnteller, Porzellangeschirr, Nussknacker und das zusammenklappbare Bett, das auf dem Ochsenwagen mitgefahren ist. Ihr seid alle herzlich willkommen, es euch anzuschauen.

Rechts: So sahen die Gräber der Vorfahren 2016 aus
Wenn wir in Otjimbingwe waren, wurde immer Grabpflege betrieben. Beim Strittertreffen wurde eine Friedhofskasse eingerichtet, in der sich mittlerweile N$ 810 befinden. Beiträge sind natürlich immer herzlich willkommen. Die Säulen wurden kürzlich gestrichen, und neue Blumen wurden auf die Gräber gelegt. Ich kümmere mich immer um die Gräber der Redecker-, Stritter-, Hälbich-, Schwester Helene- und Gerdesfamilie. Meine Mutter hat mir beigebracht: „Wer die Ahnen nicht ehrt, ist des Lebens nicht wert.“ Sie ruhen wirklich in Frieden dort.
Ich habe Opa Heinrich Stritter nie kennengelernt, habe nur viel gehört. Er war ein „moeiliker“ Mann. Tante Mariechen war die letzte - sie starb am 24.12.2002.
Opa Stritter war ein zweites Mal verheiratet mit einer Frau Maria Biesenbach aus Stellenbosch. Sie wurde dort beerdigt.

Hier noch ein paar Bilder






















