Tagebuch des Johann Wilhelm Redecker: 1865 bis 1867
Teil 1
24. Juni 1866 - 27. September 1866
24. Juni 1866
Ein besonders wichtiger Sonntag, wo ich zum letzten Male meinen lieben Beichtvater, Pastor Volkening, predigen hörte über Jesaja 40 die ersten Verse, in der Kirche zu Jöllenbeck. Es sollte dies ein besonderes Trostwort sein an seine Gemeinde, die, wie das ganze Vaterland, dem traurigen Krieg gegen Österreich bestimmt entgegensah. Er legte besonders dar, dass dieses Wort ein großer Trost sei in und nach schwerer Zeit, und der Geist Gottes, der aus seinem Herzen sprach, tröstete spürbar die bedrängten Herzen; auch ich wurde gestärkt und erfrischt in dem Kampfe wider alle meine Seelenfeinde, auch im Blick auf die schwere Trennung von den Meinigen und meinem Vaterlande gewann ich neue Kraft. Nach der Predigt folgte ein Aufruf des Königs an die Gemeinde, wie an das ganze Preussenland, dass er so viel wie möglich habe gesucht, den Krieg gegen Österreich zu verhüten. Es wäre ihm aber nicht möglich gewesen, einen dauernden Frieden zu erhalten und er beuge sich vor Gott und getröste sich des Verdienstes Jesu Christi und setzte auf den 27. Juni einen Bettag fest. Ebenfalls forderte er das Volk auf, mit ihm treu die Waffen zu führen, zu bewahren die Rechte des Landes.
Des Nachmittags wohnte ich noch der Kinderlehre bei. Ich erinnerte mich dabei an meine Confirmationszeit, und es war mir eine ergreifende und bewegte Stunde. Abends 7 Uhr befand ich mich im Jünglingsvereine, wo mir mein lieber Beichtvater noch ein Wort Gottes auf den Weg nach Afrika mitgab, den 121. Psalm: Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mit Hilfe kommt. Nach Beendigung überreichte er mir zum Andenken die von ihm herausgegebene „kleine Missionsharfe“ mit den Worten, es wäre wohl ein Kleines, aber das Herz säße darin Ebenfalls überreichte er mir Ards Predigtbuch als Andenken an den Jünglingsverein. Darnach folgte der Abschied, nachdem ich noch hinwies auf die Treue Gottes, der bis dahin geholfen hätte, der würde auch noch weiter helfen, empfahl ich mich noch ihrer treuen Fürbitte, wie auch unsere Gesellschaft. Abends spät machten wir 3 Brüder noch einen Spaziergang nach Böckstigel.
25. Juni
Des Morgens ging ich erst zu Pastor Volkening und nahm Abschied. Er wünschte mir zuguterletzt Treue in meinem Beruf und Geduld auch besonders da, wo man gegen sich selbst zu kämpfen hätte. Zu allerletzt wünschte er mir noch den Segen des Herrn, wie auch seine Frau, die mir noch besondere Grüße mitgab an Missionar Hahn. Von da ging ich nach dem alten Vetter Bockschatz, der gerade nicht zu Hause war. Ich frühstückte, ging dann mit der Tante zur Wiese (nachdem ich im Hause Abschied genommen), wo Gottlieb und Gustav am Heuen waren, um auch da von ihnen Abschied zu nehmen. Wir gingen bis ins Imsick und schieden dann voneinander. Zu Mittag war ich bei Onkel Wordehecke. Von da ging ich nach Pastor Siebold, dann nach Surmann.
Des abends hatte ich noch die Freude, meine Familie im pflegeelterlichen Hause zusammen zu sehen und noch ein kleines Abschiedsfest zu feiern. Es war ein überaus herrlicher Abend. Wir begaben uns, besonders Männer, in die Laube, wo uns der Mond besonders durch seinen friedlichen Schein erquickte, und wechselten so manches trauliche Wort. Es war ein besonders rührender und herzergreifender Abend für mich. Ich dachte zurück an die vergangenen Jahre, die ich als Knabe und als Jüngling in dem Hause verlebt hatte: und nun war der wichtige Augenblick gekommen, wo ich mich vom lieben pflegeelterlichen Hause trennen sollte. Besonders schmerzlich war es mir bei dem Gedanken, wie der Herrgott vor kurzem meinen lieben Onkel und Pflegevater nebst seiner Tochter Friederike (mit der ich als Kind aufgewachsen war) so plötzlich abgerufen hatte aus der Zeit in die Ewigkeit. Gern hätte ich sie in unserem Kreise gesehen, aber der Herr hat es anders gewollt, und sein Wille ist allzeit der beste.
Wie wir so traulich beisammen waren, ließ sich auf einmal der Posaunenchor hören, und wir Familienmitglieder begaben uns in die große Stube und hörten zu. Nach dem Posaunenchor ließ sich auch noch der Gesangverein hören, welcher mehrere vierstimmige Lieder vortrug. Besonders bekannt und lieb war mir das Lied „Ach mein Herr Jesus, wenn ich Dich nicht hätte und Dein Blut nicht für mich redete“. Wir wurden alle recht warm ums Herz und stimmten zusammen ein in das Lied (nachdem ich einige Abschiedsworte gesprochen) „Eines wünsch ich mir vor allem andern“. Dann wurde noch etwas gesungen und geblasen, dann Abschied genommen von den Vereinen und die sich sonst noch versammelt hatten aus der Nachbarschaft, und endlich auch von meiner Familie. Zuletzt ging ich noch ein wenig mit meinen Brüdern spazieren und bestimmten die Zeit, wann wir am anderen Morgen von Jöllenbeck abreisen wollten, weil sie mich noch bis Bielefeld geleiten wollten.
26. Juni
Heute war es, wo ich mich zum letzten Male nach einer kurzen, süßen Ruhe von meiner alten Lagerstätte erhob und das Tageslicht schauen durfte. Ich konnte nicht anders als meinem Gott danken für alle empfangenen Wohltaten, die er mir im pflegeelterlichen Hause hatte zuteil werden lassen und mich ihm aufs neue anzubefehlen für meine zukünftige Laufbahn. Vor und gleich nach dem Frühstück nahm ich Abschied von Brüngers, Kötters und Pilsticker, mit denen ich früher viel zusammengearbeitet hatte, und von einzelnen Nachbarn. Auch besuchte ich meinen lieben Freund Schulze noch einmal. Die Trennung war sehr hart. Um 7 Uhr kam mein Bruder Gottlieb, um mich zu begleiten. Ich musste mich nun trennen von meiner lieben Tante und Pflegemutter und ihren Kindern und Hausgenossen, wo auch noch Frau Mund zugegen war. Die Stunde wird mir unvergesslich sein. Ich ging dann mit meinem Bruder übers Westerfeld nach Rütter, von da nach Onkel Brünger auf der Hauptheide, um da meinen Bruder Friedrich abzuholen, sagte auch da noch Adieu, und dann gingen wir Drei [auf] Bielefeld zu. Wir erinnerten uns, wie wir früher als Knaben so oft sonntags zusammen gewandelt waren und wie doch Manches so ganz anders geworden wäre wie wir früher gedacht hätten, sprachen aber im ganzen sehr wenig, weil unsere Herzen sehr erregt waren. Wie ich nahe vor Filsendorf war, sah ich mich noch einmal – und wahrscheinlich zum letzten Mal – um nach dem lieben Jöllenbeck, um noch ein genaues Bild davon ins Gedächtnis zu nehmen. Als wir ans Rettungshaus kamen in Schildesche, kehrte ich eben ein, um Christian Weich noch Adieu sagen zu können. Er gab mir noch einen Brief für seine Eltern in Afrika. Wir gingen dann nach Brökenkamp, um Wilhelm Brünger abzuholen, der aber bereits auf dem Bahnhofe war mit seinem Collegen Vollmer, der mir auch noch einen Brief für seine Eltern in Afrika mitgab. Der Zug war bald da, mit dem ich fahren musste. Auch hier wurde es mir sehr hart, mich von diesen Lieben zu trennen, da wir doch auch durch Bande des Blutes so eng miteinander verbunden waren. Jedoch der Zug setzte sich in Bewegung, und wir mussten uns trennen. Ich fuhr dann Barmen zu, hielt mich aber erst noch einige Stunden in Gütersloh auf bei meinem Vetter Böckstiegel und kam abends ungefähr 9 Uhr im Kinderhause an.
27. Juni
Heute war Bettag für ganz Preussen. Auch unsere Missionsgemeinde versammelte sich im Betsaale, und es wurde auch da für das Wohl des Vaterlandes gebetet. Hernach ging ich in die Kirche. Nachmittags reiste ich nach Düsseldorf. Da traf ich einen lieben Freund namens Stummel, welcher mich in der Anstalt umherführte. Ich hatte auch Gelegenheit, hier eine Landsmännin zu begrüßen, Friederike Limbergs. Gegen Abend verließ ich die Anstalt in Begleitung des lieben Freundes Stummel, der mitging nach dem Bahnhof. Gegen 10 Uhr kam ich wieder im Kinderhause an.
28. Juni
Jetzt war die höchste Zeit gekommen, für die weite Reise zu sorgen, und es ging ans Sachenausteilen und –empfangen auf dem Lager von der Frau Inspektor Fabri und ans Zeichnen und Zeichnen lassen.
29. Juni
Heute war der Tag gekommen, wo es mit aller Gewalt ans Packen ging, besonders für mich. Die anderen Brüder Hahn, Baumann und Schrenk waren schon ziemlich auf der Richte. Baumann war deshalb so freundlich und half mir tüchtig packen, so dass ich mit den nötigsten Sachen fertig wurde. Des Abends gingen ich und Bruder Schrenk nach Rühscheid zu Eisenachs, wo wir öfter zusammen Besuchen gemacht hatten. Es war dieses das letzte Mal. Friedolin und seine Schwester Emma begleiteten uns bis an die Bleiche, die alte Mutter musste aber doch zu Hause bleiben, weil ihr das Gehen schwer wurde. Der Bach, welcher durch Rühscheid fließt, wird uns unvergesslich bleiben.
30. Juni
Nachmittags machten ich und Bruder Schrenk einige Besuche. Zuerst
gingen wir nach Gärtner Krögelmann, unserem lieben Freund, um auch
ihm noch Lebewohl zu sagen. Er war sehr verlegen, dass die Stunde
des Abschieds so schnell gekommen war und wir nicht länger
miteinander verkehren konnten. Dann gingen wir zu Wilhelmine Kump,
Bruder Schrenks Landsmännin, wo ich auch recht bekannt geworden war
und gern da weilte wegen ihres lebhaften Charakters und christlichen
Erfahrungen. Sie war gerade von ihrer Besuchsreise nach ihrer Heimat
Württemberg zurückgekommen und erzählte uns, wie ihre Landsleute so
feindlich gesinnt wären gegen Preußen, freilich größtenteils aus
Blindheit. Sie ließ rasch Bier holen, um uns noch einmal zu
erquicken, welches wir auch thaten in aller Eile. Auch hier war die
Trennung unverhofft. Sie sagte uns noch einige ermutigende Worte,
und wir eilten wieder dem Missionshause zu, wo wir um 4 1/2 Uhr alle
4 Brüder beim Herrn Inspektor Fabri erscheinen sollten, welches sich
doch bis 7 1/2 Uhr verzog. Hahn war jedoch nicht da, und ich und
Bruder Baumann und Schrenk empfingen zusammen unsere Instruktionen,
und jeder sagte noch seine besonderen Anliegen. Darnach um 8 Uhr war
Abschiedsfeier bei einer Tasse Thee und Wein, wozu sich die beiden
Inspektoren Fabri, von Rhoden, Herr Gemeiner, Kämpfer, Thümmina,
Weiswange, Herr Kandidat Pirschau und Lehrer Busch und sämtliche
Brüder, welche auch noch einige vierstimmige Lieder sangen,
einfanden. Herr Inspektor Fabri hielt die erste Ansprache an uns und
legte uns aus, worin eigentlich unser Beruf besteht:
1. sollen wir die Heiden anlernen in äußerlichen, nützlichen Künsten, Ackerbau,
Handwerk, ein jeder in dem Fach, was er gelernt hat.
2. sollen wir den Heiden mit einem christlichen Wandel und Vorbild
vorangehen. Er legte weiter dar, wie es nötig sei, dass gerade nach
Afrika solche Leute gesandt würden, weil die Leute sehr zurück wären
in gewerblicher Beziehung und nicht allein die Predigt des
Evangeliums imstande wäre, die Heiden so christlich und sittlich
heranzubilden wie bei uns in Deutschland, und es wäre daher von
großem Nutzen, wenn solche Leute, die ein Handwerk gelernt hätten,
den Missionaren zur Seite gestellt würden, was freilich auf anderen
Missionsgebieten, wo die Leute in gewerblicher Beziehung nicht
zurück wären, thöricht sein würde. Darnach hielt Inspektor von
Rhoden eine kleine Ansprache und brachte zuerst in Erwähnung, dass
es an demselben Abend gerade 34 Jahre wären, wo die 4 ersten Brüder
Zahn, Lückhoff, Leipold und von Wurms nach Afrika abgeordnet wurden.
An Letzteren, von Wurms, knüpften sich traurige Erfahrungen an, und
er ermahnte uns deshalb, doch ja immer zuerst für unsere eigene
Seele zu sorgen. Das wäre das Allernöthigste und Wichtigste.
Das waren die letzten wichtigen Stunden, die ich in dem lieben Missionshause verweilen durfte, wo ich drei Jahre darin gewohnt hatte uns so manchen Segen aus dem Worte Gottes empfangen hatte.
Sonntag, 1. Juli
Morgens früh um 4 stand ich auf und schrieb Einiges aus meinem Lebenslauf in das alte Standbuch des Missionshauses. Vor der Andacht im Missionshaus sprach ich mit Inspektor Fabri, um noch eine Reise nach Gütersloh zu machen wegen einer wichtigen Angelegenheit. Er willigte ein, und ich kam 2 1/2 Uhr in Gütersloh an bei meinem lieben Vetter Böckstigel. Welch eine Freude, dass wir noch einige Stunden miteinander verleben konnten, besonders für mich sehr wichtig, weil ich jetzt noch einmal Gelegenheit hatte, über eine, mich persönlich angehende wichtige Sache zu sprechen. Ich besuchte da noch Herrn König, Lindenkamp ? und Vogt. Ich musste, da wir am anderen Tage von Barmen aus unsere große Reise antreten sollten, noch dieselbe Nacht wieder zurückreisen und zwar 2 1/2 Uhr. Am selben Abend kamen erfreuliche Gerüchtdepeschen ein vom Kriegsschauplatze, dass die Österreicher geschlagen seien, und war eine allgemeine Freude unter dem Volke. Böckstigel begleitete mich des Nachts, nachdem ich einige Stunden geruht und mich ein wenig gelabt hatte, nach dem Bahnhofe.
Montag, 2. Juli
Morgens um 7 1/2 Uhr kam ich in Barmen an und eilte mit aufgeregtem Herzen dem Missionskinderhause zu. Ich sollte nur noch 4 Stunden da verweilen und hatte noch so Manches abzumachen. Herr Inspektor Fabri war durch die traurige Nachricht von dem Tode seines geliebten Vaters desselben Morgens 6 Uhr nach Würzburg abgereist zu den Seinen und konnte ihn daher nicht mehr sehen und auch nicht mehr Adieu sagen. Ich besuchte des Morgens noch die Deputationsglieder und zwar mit Bruder Baumann, Herrn Klein, Bartels Pastor Ernst in Barmen. Nach Elberfeld ging ich allein zu Herrn Müller und Frickenhaus, welche mir alle noch einen besonderen Segensgruß mit auf den Weg gaben. Ich erkundigte mich gleich, um welche Zeit wir abreisten. Zu meinem Erstaunen erfuhr ich, dass ich nur noch eine Viertelstunde Zeit hätte; dann müssten wir fort. Ich hatte jetzt nicht Zeit mehr zu essen, sondern nur noch eben so viel Zeit, um Abschied zu nehmen, welches ich auch in der größten Eile that, zuerst im Kinderhause, dann im Missionshause, wo sie gerade das Abschiedslied sangen „Jesu geh voran auf der Lebensbahn“. Ich konnte nur noch mitsingen die beiden letzten Strophen „Thu uns nach dem Lauf Deine Thüre auf“. Nach dem Gesang musste ich mich von allen, die nicht mitgingen nach dem Bahnhof, verabschieden. Ich war daher der Letzte, der fertig war, und es war ein harter Augenblick für mich. Unter dem fürchterlichsten Regenwetter gings dem Bahnhofe zu. Unterwegs nahm ich noch Abschied von den Kinderhaus-Jungens, welche von der Schule zurückkamen. Wir kamen noch früh genug auf dem Bahnhofe an und hatten noch eben Zeit, uns mit den lieben Brüdern des Missionshauses zu verabschieden. Herr Busch reiste mit bis Elberfeld, wo sich auch Missionar Juffenbruch einfand, um uns noch Lebewohl zu sagen. Hahns Schwager, Herr Langenbeck, begleitete uns bis Düsseldorf, wo wir noch zusammen im Wartesaale eine Tasse Kaffee tranken. Emmerich war die letzte deutsche oder preußische Station, wo wir holländisches Geld einwechselten. Eigenthümlich kommt es einen an, wenn man in ein fremdes Land kömmt und seine Muttersprache nicht mehr hört. In Utrecht hielt der Zug ungefähr eine halbe Stunde an. Holland zeichnet sich besonders aus durch die vielen Windmühlen. Wir kamen Abends im Zwielicht in Rotterdam an, wo uns Herr Seepers freundlich in Empfang nahm. Er führte uns zuerst in einen Bierkeller, wo wir uns zusammen erquickten. Darnach brachte er uns ein jeder in sein Quartier bei christlichen Freunden. Ich kam bei Herrn Doctor oder Chirurg Greif, welche mich sehr freundlich bewirteten.
Dienstag, 3. Juli
Nachdem ich gefrühstückt hatte, besuchte ich Bruder Schrenk, welcher bei Pastor Schwarz in Quartier war, welcher uns ein wenig in der Stadt umher führte. Auch führte er uns nach unserem Schiffe „Great Eastern“, welches uns noch am selben Tage (nachdem wir Mittag gegessen und von unseren Gastfreunden uns verabschiedet hatten) aufnahm, um uns nach Harwich zu bringen. Es war 3 Uhr wie wir ins Schiff stiegen. Unser Spediteur Westplate & Co. Hatte schon für unsere Karten gesorgt. Bruder Schrenk kam etwas zu spät, aber doch noch früh genug, um durch ein Boot unser Schiff zu erreichen, und wir waren sehr froh, dass wir ihn noch mitbekamen. Das Meer war sehr unruhig, und ich bekam wegen des starken Schwankens unseres Schiffes die Seekrankheit. Die anderen Brüder hielten sich aber hurtig und verweilten meistens auf dem Verdeck, wurden aber öfter durch die Wellen getauft. Auf dem Verdeck war eine große Menge Schweine, die ein furchtbares Geschrei machten.
Mittwoch, 4. Juli
Um ungefähr 6 Uhr kamen wir in Harwich an. Die Leute waren noch nicht aufgestanden, so dass es uns schwer wurde, ein offenes Gasthaus zu finden. Zuletzt fanden wir eins und nahmen zum ersten Male ein englisches Frühstück. Dass es schon früh morgens Fleisch gibt, ist einem Deutschen etwas Widriges, jedoch that uns der Thee gut und wurden dadurch recht warm, und meine Seekrankheit verlor sich schnell. Um 8 Uhr fuhren wir mit der Eisenbahn ab nach London und kamen da ungefähr um 11 Uhr an. Weil wir nun gar keinen Bescheid wussten in der großen Weltstadt, nahmen wir eine Droschke und gaben dem Droschker die Adresse an unseren Spediteur Herrn Mallaen in Hetongarden Nr. 97. Derselbe Quartierte uns ein bei einem seiner Gehülfen namens Konrath, ein Deutscher, wo wir eine gute und freundliche Bewirtung hatten. Wir hatten Gelegenheit, am selben Abend in die Betstunde zu gehen, welche in einer deutschen Kirche von Pastor Erdmann gehalten wurde.
Donnerstag, 5. Juli
Nachdem wir sanft geruht und uns durch ein Frühstück erquickt hatten, ging ich mit Bruder Hahn und Baumann spazieren, um uns die Stadt ein wenig anzusehen. Zwar wurde es uns schwer, wieder nach Hause zu finden, doch die Policemen weisen einen gerne zurecht, wenn man nur die Adresse genau weiß. Nachmittags blieb ich zu Hause und fing an, einen Brief zu schreiben nach Gütersloh. Abends fand immer eine lebhafte Unterhaltung statt.
Freitag, 6. Juli
Nachdem wir gefrühstückt hatten, machten wir uns alle viere auf, um eine kleine Reise nach dem Glaspalast [1] zu machen, der ja in der ganzen Welt berühmt ist. Wir fuhren bis London Breach mit einem Omnibus, welche – wie auch Droschken - Tausende in der großen Stadt von einem Stadtteil zum anderen fahren und bot sich unseren Augen ein sehr lebendiges Bild dar. Namentlich war dies in London Breach der Fall, wo wir eine unzählige und nie endende Menge von Menschen, die auf und ab fuhren, sahen. Auch fährt man da über und unter der Stadt. Von da fuhren wir mit der Eisenbahn nach dem Glaspalast. Vom Bahnhof aus führte uns ein langer gläserner Bogengang zum Glaspalast. Von dem Bogen aus sah man schon einen herrlichen Garten mit den schönsten Blumenbeeten und steinernen Teichen und vielen steinernen Figuren nebst prächtigen Spazierwegen. Der Glaspalast ist ein sehr großes und hohes, von Eisen und Glas gebautes Kunstgebäude und innerhalb ausstaffiert mit vielen theuren Denkmälern der berühmtesten Männer und Helden alter und neuerer Zeit. Auch befindet sich da ein ägyptischer Tempel, umgeben mit vielen großen Löwenfiguren, welches sehr gräulich aussah, aber sehr künstlich und fein gemacht war. Auch waren verschiedene Springbrunnen und Blumen und allerlei Gewächse aus allen Weltteilen daselbst, verschiedene Stämme aus den wilden Heiden dargestellt da zu sehen, und viele Laden mit den schönsten Sachen waren da, auch viele Maschinen und allerlei Kunstwerke, Wagen, Schiffe, sogar ein Bergwerk wie auch viele Sorten von Kohlen und allerlei Mineralien. Auch fast alle Produkte konnte man da finden. Es würde ein ganzes Buch darüber zu schreiben sein, wenn man alles angeben wollte. Ich war 8 Stunden daselbst, hatte aber nicht Zeit genug, um alles anzusehen. Es sind fast immer eine Menge Leute da, die sich dieses große Werk – von Menschenhänden gemacht – ansehen. Auch werden beinahe jeden Tag, namentlich bei schöner Witterung mehrere Conzerte gegeben. Um 6 Uhr verließen ich, Br. Hahn und Baumann (Br. Schrenk konnten wir nicht finden) unter dem Schalle klingender und spielender Musik das große, von aller Welt bewunderte Gebäude unter dem Eindruck: Die Welt vergeht mit ihrer Lust, und ein Verlangen nach dem himmlischen Jerusalem stieg in meinem Herzen auf, wo erst eine vollkommene Herrlichkeit stattfinden wird und nie enden und ewige Freude und Wonne sein wird nachdem.>
Sonnabend, 7. Juli
Morgens arbeitete ich an meinen Briefen nach Gütersloh. Nachmittags gingen ich und Br. Schrenk und Baumann spazieren. Hahn hatte fast den ganzen Tag zu thun wegen unseres Reisegepäckes, welches noch in Harwich zurückgeblieben war und am anderen Tag da sein musste. Abends waren wir doch bei der Tafel alle zusammen und sprachen über unsere Abreise, welche wir auf den nächsten Morgen 7 1/2 Uhr feststellten.
Sonntag, 8. Juli
Um die bestimmte Zeit 7 1/2 Uhr waren wir bereit, aufs neue unsere Reise anzutreten. Unser Freund Conrath hatte wegen des schweren Gepäcks für eine Droschke gesorgt. Er selbst fuhr mit uns bis Herrn Mallaene, wo wir unsere Reisekoffer und noch einige Kisten hatten, wo wir auch noch eine Droschke mehr haben mussten, welche uns durch Conrath besorgt wurde. Dann fuhren wir weiter nach der Eisenbahn, Station Waterloo. Von da fuhren wir per Eisenbahn nach Southampton. Hier war es, wo wir unsere letzten Schritte machten auf europäischem Boden. Wunderbar war uns zumute, als wir nun unser Schiff betreten hatten (namens Roman) und auf das Verdeck gingen, wo noch eine flüchtige Erinnerung von allen den Wohlthaten, die wir im deutschen Vaterlande erhalten hatten, und wenn wir gedachten an alle Lieben, die wir zurückließen. Aber doch waren wir innerlich froh, dieweil wir wussten, dass wir um des Herrn Willen dieses alles verließen und einen neuen Beruf von ihm empfangen hatten, unter den Heiden zu arbeiten. Wir befahlen uns deshalb unter seinen Schutz und Schirm im Vertrauen, dass er uns wohlbehalten an den Ort unserer Bestimmung bringen würde.
Es war 2 1/2 Uhr wie unser Schiff vom Lande abfuhr. Die See war sehr unruhig. Ich war bis nach 10 Uhr abends auf dem Verdeck und hatte ständig zu kämpfen mit der Seekrankheit. Endlich beschloss ich, in die Kajüte zu gehen. Aber kaum war ich darin, musste ich mich brechen, und ich eilte schnell wieder auf das Verdeck, um den anderen Brüdern nicht unangenehm zu sein und setzte da die harte Tour weiter fort. Nach derselben begab ich mich mit einem hässlichen Geschmack zu Bett.
Montag, 9. Juli
Am Vormittag hütete ich das Bett, um Mittag aus hörte ich von den Brüdern, dass wir im Hafen von Plymouth seien und unser Schiff vor Anker liege. Die anderen Brüder waren fleißig am Briefeschreiben, um auch noch von dem letzten Hafen einige Zeilen an die ihrigen in Deutschland zu schicken. Unser Schiff war ein Postschiff und verweilte im Hafen bis zum anderen Morgen, wo es die letzten Briefe entgegennahm. Wie nun das Schiff ruhig wurde, weil es stille lag, verlor sich meine Seekrankheit, und ich machte mich aufs Verdeck und ich war nicht wenig erfreut. Das Wetter war sehr prächtig und erhöhte den Anblick dieses schönen Hafens. Im Westen von Engelland liegt die schöne Hafenstadt Plymouth und Valmouth, und weil der Hafen da sehr enge ist, und dazu die letzte Stadt von Engelland, ist der ganze Hafen umzingelt mit Festungswerken; sogar mitten im Kanal, Plymouth gegenüber befindet sich ein wohl 5 bis 600 Fuß langer und 12 Fuß breiter Platz mit einem Leuchtturm, umher mit Kanonen belagert, an beiden Seiten eine Öffnung, wo die Schiffe durch fahren. Im Fall sich eine feindliche Flotte sehen lässt, kann sie von allen Seiten beschossen werden.
10. Juli
Morgens, wohl 9 Uhr, wurde der Anker gelichtet, welches keine kleine Arbeit ist, und alle Matrosen und Schiffjungens müssen da ihre Kraft in Anwendung bringen, sogar eine Maschine muss helfen. Wie das geschehen, setzte sich unser Schiff recht munter in Bewegung. Das war nun die letzte europäische Stadt, die wir vor unseren Augen hatten und die bald unseren Augen entschwinden sollte. In den Festungswerken wurden Übungen vorgenommen. Schon früh morgens hörte man die Kanonen donnern. Wir sahen (weil das Wetter schön war) wie sie Ziele in die See befestigt hatten und mit Kugeln darauf schossen. Es war schön anzusehen, wenn die Kugeln aufs Wasser fielen und das Wasser hoch in die Luft spritzte. Wenn die fielen, hörten wir nach einigen Sekunden den Knall.
Ich wurde lebhaft erinnert an den Kriegsschauplatz, wo meine Landsleute, ja meine Kameraden, so eine große Schlacht gehabt hatten gegen die Österreicher. Ich stellte mir vor Augen, wie viele unter großen Schmerzen da lägen auf ihren Lagern und wie es noch weiter werden würde in Deutschland. Das waren die letzten mit noch vielen anderen Erinnerungen an das liebe deutsche Vaterland.
Unser Roman segelte lustig vorwärts in den großen Ocean. Ein Nebel trat ein und umschleierte unser Schiff, so dass wir bald nichts mehr in der Ferne sehen konnten. Der Nebel jedoch verschwand bald wieder, und wir konnten noch einmal etwas vom Lande sehen. Es dauerte aber nicht lange, da war Europa mit seinen letzten Spuren aus unseren Augen (vielleicht auf immer) entschwunden, und wir sahen nichts anderes als Himmel und Wasser.
Eine kleine Beschreibung über unsere weitere Seereise.
Als wir von Plymouth abgefahren, bekam ich gleich des anderen Tages wieder die Seekrankheit, jedoch nicht sehr stark. Ich konnte mich doch immer noch einige Male des Tages auf dem Verdeck aufhalten, welches ich so viel wie möglich that. Ich habe sehr viel gebrochen oben auf dem Verdeck und nur zwei- bis dreimal in der Kajüte. Ich that es auch deshalb, um nicht einen üblen Geruch in der Kajüte zu verbreiten, der meinen Brüdern gewiss nicht angenehm war.
Unsere Kajüte war sehr klein. Sie enthielt vier Bettstellen (eine auf die andere gestellt) und einen Waschtisch nebst unseren Koffern und sonstigem Reisegepäck, so dass wir eben so viel Platz hatten, aufrecht zu stehen und uns umdrehen konnten. Wir mussten deshalb einer nach dem anderen aufstehen und uns waschen und anziehen. Des nachts wurden wir sehr geplagt von den Wanzen, namentlich ich und Bruder Hahn. Letzterer stand oft des Nachts auf und begab sich oben auf das Verdeck, um Ruhe zu haben. Auch war es in der ersten Zeit sehr warm in den Kajüten und wurde es immer mehr, weil wir der Sonne immer näher kamen.
Wir hatten bis zum Äquator fast jeden Tag guten Wind, so dass unser Roman fast jeden Tag über 200 englische Meilen machte, 100 deutsche Stunden.
Unser Schiff hatte 2 Masten und eine Dampfmaschine mit 220 Pferdekraft. Die Mannschaften auf dem Schiffe sind: 1 Kapitän, 3 Offiziere, 3 Ingenieure, der Speisemeister und seine Frau, 12 Kellner, ein Zimmermann, 8 Maschinisten, 30 Matrosen inkl. Schiffjungens, 50 Passagiere, im ganzen 100 Mann. Die erste Klasse bekömmt viermal zu essen: Morgens 8 1/2 Uhr, mittags 12 1/2 Uhr, nachmittags 4 Uhr, abends 7 Uhr und bezahlen von Plymouth bis Capstadt 45 Pfund. Die zweite Klasse bekömmt dreimal zu essen. Morgens um 8 Uhr, mittags um 1 Uhr und abends um 5 1/2 Uhr. Zweite Klasse bekömmt bei allen Mahlzeiten Fleisch, morgens gibt’s Kaffee und abends Thee [Tee], mittags ein klein wenig Gemüse aber etwas Gebäckwerk. Fleisch gibt es für die zweite Klasse dreierlei: Rindfleisch, welches in Fässer eingepökelt wird, Schweinefleisch, ebenfalls eingepökeltes, außerdem auch Schinken, die nicht gepökelt sind. Auch gibt es wohl alle 14 Tage frisches Schweinefleisch. Wir hatten zwei lebendige auf dem Schiff. Dann gibt es alle Tage Hammelfleisch und wird jeden Tag ein Schaf geschlachtet.
Außerdem hat man für die erste Klasse wohl über 100 Stück Hühner und nicht weniger Enten, wohl 40 – 50 Stück Gänse, auch wohl ein Dutzend Tauben.
Die erste Klasse, die wohl viermal so stark ist wie die zweite, hat jeden Morgen und Abend Andacht im Salon. Wir hatten also keinen Morgen und Abend Andachten, konnten aber zur ersten Klasse herübergehen und teil daran nehmen.
Sonntags um 10 1/2 Uhr war allgemeiner Gottesdienst, direkt vorher Appell bei der Schiffsmannschaft. Die Predigt wurde von einem Geistlichen von bischöflicher Kirche gehalten, welcher auch Passagier war. Ich habe wenig aus der Predigt gehabt oder, was sage ich, es war nur ein Vorlesen, meistens Abschnitte aus der Bibel, wo inzwischen gesungen und gebetet wurde. Das zuletzt Gelesene war von dem Geistlichen selbst verfasst und war soviel – oder sollte es sein – was wir Deutschen Predigt nennen. Die anderen Brüder hatten auch wenig Erbauung aus dem englischen Gottesdienst. Es ging alles so ceremonienhaft wie in der katholischen Kirche. Das Wort Gottes war wohl da, aber es fehlte die Predigt aus einem vom Geiste Gottes erfüllten Herzen. Dazu fehlte es auch noch bei uns an der englischen Sprache. Der Gesang war besser und erquickte uns am meisten. In der Woche war bei der ersten Klasse ein- oder zweimal Concert, wo prächtige Stücke gesungen wurden: aber auch viele unchristliche Stücke wurden vorgetragen.
Am 16. Juli zwischen 2 und 3 Uhr näherten wir uns der Insel Salvagos, was für uns Passagiere nicht wenig interessant war. Es gibt das jedes Mal einen kleinen Aufruhr, wenn Land zu sehen ist. Diejenigen Passagiere, die Fernrohre haben, stehen immer vorne auf der Spitze des Schiffes und sehen sich das Ding an. Die anderen warten so lange bis sie mit bloßen Augen etwas sehen können. Es war ein kahler, wohl 800 Fuß hoher Felsen. Dessen Bewohner waren Seevögel. Von einer menschlichen Hütte war keine Spur zu sehen.
Am 17. Juli morgens um 7 Uhr erblickten wir die Insel Teneriffa mit dem berühmten hohen Pick, und bot sich unserem Auge ein herrlicher Anblick dar. Es waren hohe Gebirgsrücken wie auch Thäler, und zeigten sich auch mehrere grüne Plätze, mit Häusern bebaut. Auch befand sich darauf ein kleines Städtchen mit mehreren Fahrzeugen. Unser Kapitän unterhielt sich mit ihr durch die Fahnensprache mit verschiedenen Farben.
Am 27. Juli war ein herrlicher Abend, der herrlichste auf dem Schiff. Alles war munter und vergnügt. Die Matrosen sangen ihre Lieder, kurz alles war bis aufs Höchste erfreut. Der Himmel war ganz klar und hell, der Mond war in seiner vollen Majestät, und seine Strahlen spiegelten sich im Meer. In solchen Stunden tritt einem die Güte Gottes besonders nahe, und das Herz wird zum Loben und Danken erregt. Aber wie wird dieser Dank gesteigert, wenn man bedenkt, wie große Liebe Er uns erzeigt hat, indem er uns seinen Sohn gesandt hat, um uns zu erlösen von Sünde, Tod und Teufel, und an das ewige Erbe, das er uns schenken will in jenem Leben.
Am 1. August frühmorgens erblickten wir die lang ersehnte Insel St. Helena, wo einst der große Feldherr und Herrscher über fast ganz Europa Napoleon den letzten Rest seines Lebens verbracht hat. Wir konnten den Hügel sehen, wo er gewohnt hatte. Es war der schönste Platz auf der ganzen Insel. Unten am Strande des Meeres lag die kleine, aber schöne Stadt James-Town, eine kleine Hafenstadt.
Unser Schiff lief ungefähr 12 Uhr im Hafen ein, in welchem sich über 30 Schiffe befanden. Wir hielten 5 Stunden da an, und die meisten Passagiere gingen an Land. Wir aber nicht, weil es zuviel kostete. Die Insel ist bewohnt von 5000 Menschen, meist Schwarze, von denen wir einige zu sehen bekamen, die mit ihren Böten an unser Schiff kamen, um Passagiere überzusetzen ans Land.
Am 12. August morgens frühe erblickten wir die afrikanischen Berge, und eine große Freude war in unseren Herzen über die Güte und Treue Gottes, der uns eine so stille und friedliche Fahrt hatte zu Theil werden lassen.
Etwas nach 10 Uhr morgens verkündeten zwei Kanonenschüsse unsere Ankunft und etwas vor 12 Uhr durften wir unsere Füße ans Land setzen. Wir fanden bei unserem Agenten, Herrn Vos, gute Aufnahme.
Wir vier Brüder, Hahn, Schrenk, Baumann und ich, machten des Nachmittags einen Spaziergang auf ein nahe liegendes Gebirge, von wo aus wir unseren Roman auf der See sehen konnten, und stimmten zusammen das Lied an: „Lobe den Herren, o meine Seele“. Von unserem Spaziergang zurückgekommen, gingen wir in eine evangelische Kirche und hörten da zum ersten Mal predigen in Afrika, Pastor Parisius in deutscher Sprache über die Wiederkunft des Herrn. Es that das unseren Herzen so wohl.
Am 13. August morgens reisten wir von der Capstadt nach Stellenbosch und fanden unsere freundliche Aufnahme bei Br. Lückhoff.
Am 18. August [reist] Bruder Baumann ab nach der Walfischbai.
Am 27. August reist Bruder Schrenk ab nach Wupperthal [2]
Am 2. September zieht Bruder Hahn von Br. Lückhoff nach Herrn Slopman.
Am 7. September kommt Herr Ritter von seiner Reise zurück und wohnt mit mir zusammen bei Br. Lückhoff.
Am 15. September ist Br. Hörnemann gestorben.
Am 23. September hielt Herr Inspektor Wangemann seine Inspektion in Stellenbosch. Abends hielt er eine Ansprache über 2. Korinth. 13, 12 u. 13.
Am 25. September gemeinschaftliches Essen aller Brüder in Stellenbosch in Gemeinschaft mit Herrn Inspektor Wangemann und Robinson.
Am 27. September Br. Lückhoffs Geburtstag.
Tagebuch von Johann Wilhelm Redecker
II. Teil
28. September 1866 - 2. Juni 1869
Stellenbosch, d. 28.9.1866
Weil ich Jesu Schäflein bin, freu’ ich mich nur immerhin über meinen guten Hirten, der mich weiß wohl zu bewirten, der mich liebet, der mich kennt, und bei meinem Namen nennt.
29. September
Heute feierte ich bei Br. Lückhoff in aller Stille meinen Geburtstag (den 31.), den 1. auf afrikanischem Boden. Ich musste mit beschämtem Herzen die Güte und Treue und Barmherzigkeit Gottes bewundern, der mich nun hier in Afrika in seinen Dienst nehmen will, und mit Freuden ausrufen „Lobe den Herren, meine Seele, und vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat. Der Dir alle Deine Sünden vergibt und heilet alle Deine Gebrechen. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Jesu geh voran auf der Lebensbahn, und wir wollen nicht verweilen, Dir getreulich nachzueilen. Führ uns an der Hand bis ins Vaterland.
7. Oktober, Sonntag
Heute feierte ich zum ersten Male in Afrika das Heilige Abendmahl in der Stellenboscher Kirche, zum ersten Male in der Gemeinschaft mit Schwarzen und Braunen, welches einen besonderen Eindruck auf mich machte und wurde gewahr, dass die Verheißung, die Gott dem Abraham gegeben: „In Dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter“ sich immer mehr erfüllt. Bruder Terlinden predigte über die Worte Joh. 7,37 : Aber am letzten Tage des Festes, der am herrlichsten war, trat Jesus auf und sprach „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke“. Nachmittags predigte Br. Alheit über Collos. 2, 6 u. 7 und verglich diese 5. Ermahnung des Apostels Paulus mit 5 Kieselsteinen, um damit wie David gegen den Feind zu Felde zu ziehen.
1) Nun Ihr denn habt Jesum Christum angenommen
2) so wandelt in ihm
3) und seid gewurzelt und erbauet in ihm
4) seid fest im Glauben wie Ihr gelehret seid
5) seid reichlich dankbar
Abends hielt Br. Alheit eine Bibelstunde über die Taufe Jesu, Luk. 3,21
11. October
Br. Lückhoffs Dienstmädchen gestorben.
10. November
Reise nach der Capstadt, um die per Segelschiff angekommenen Sachen zu regulieren. Es war dies zugleich eine lebhafte Erinnerung an unsere Ankunft am 12. August und durch Gottes Treue glückliche Landung.
13. November Bruder Alheits Geburtstag
29. November Bruder Dönges mit seiner Familie und Frl. Leipoldt bei Bruder Lückhoff zum Mittagessen.
27. November Herr Ritter nach der Stadt und Übersiedelung seiner Sachen nach Bruder Terlinden
28. November Herr Ritters Umzug von Br. Lückhoff nach Br. Terlinden
30. November Traurige Nachricht von der Zerstörung Gibions [Gibeons] Br. Knauer Station, berichtet durch Br. Olpp und Weber von Beseba [Berseba] aus.
7. Dezember Mit Herrn Ritter nach der Stadt gewesen und Bruder Hahns Sachen mitgebracht.
8. Dezember Besuch abgestattet bei Br. Rath auf Sarepta. [3]
14. Dezember Vorbereitung zur Reise nach Wupperthal. Sämtliche Sachen verpackt und wegen zuviel Platz in einer Kiste habe ich verschiedene Sachen gekauft.
15. Dezember
Morgens 7 1/2 Uhr verabschiedete ich mich von den lieben Brüdern in Stellenbosch, bei denen ich nur Liebe genossen hatte, und wurde mir daher der Abschied recht schwer. Herr Ritter begleitete mich bis zum Bahnhofe und Br. Lückhoff reiste mit zur Capstadt [Kapstadt]. Ich ging zunächst zu Herrn Vos. Danach machte ich einige Geschäfte ab bei Herrn Schwabe und Buchhändler Jutta [Juta], ging dann wieder zu Herrn Vos und frühstückte noch mit Br. Lückhoff zusammen.
Danach begleitete mich Herr Vos zum Abfahrtsplatze nach Malmesburg [Malmesbury]. Meine Reisegefährten waren Postmeister Witmer und wohl einige Verwandte von ihm aus Malmesburg, wo wir um 5 1/2 Uhr ankamen. Von da fuhr ich nach Beketberg [Piketberg] mit einer offenen Postkarre.
16. Dezember
Nachts 3 Uhr kam ich in Beketberg [Piketberg] an. Daselbst bestieg ich eine andere Postkarre, die schlechteste von allen, und begann daher eine miserable Fahrt. Nachmittags nach 3 Uhr kam ich in Clan William [Clanwilliam] an und fand auf Empfehlungsbrief von Br. Dönges und Br. Leipoldt freundliche Aufnahme. Abends besuchte ich den lieben Predikanten Risou [Rousseau?].
17. Dezember
Morgens früh um 3 Uhr verließ ich Clan William [Clanwilliam], indem ich mit dem Postboten von Wupperthal, welcher ein Pferd für mich mitgebracht, von dannen ritt, das erste Mal in meinem Leben, wo ich Gelegenheit fand, auf einige Stunden hintereinander zu reiten. Auch hatte ich Gelegenheit, mit dicken Klippen besätes Gebirge zu ersteigen. Nachmittags um 4 Uhr kam ich auf Wupperthal an und wurde zuerst von Br. Fismer freundempfangen und fand auch bei ihm ein Unterkommen.
18. Dezember Mit Br. Fismer nach Benkeskraal. [4]
19. December Wegen geschwollener Lippen und Ausschlag musste ich zu Hause bleiben.
Sonntag, 23. Dezember Vorbereitung zum Heiligen Abendmahle – Briefe von Deutschland
Dienstag, d. 25 Dezember
Erstes Weihnachtsfest in Afrika. Morgens Predigt von Johann Leipoldt über Luk. 1, 46 – 55. Darnach [Danach] war Abendmahlsfeier. Auch ich durfte teilnehmen an der Feier und schmecken und sehen die Freundlichkeit des Herrn. Nachmittags predigte der Vater über die Worte Gal. 4,4.
27. u. 28. Dezember
Roggen aufgeschlagen in Benkes [Beukes Kraal]
31. Dezember
Trappen mit Ochsen in Benkes Kraal. Abends zum Schlusse des Jahres Predigt gehalten von Johann Leipoldt über die Worte „Ich bin nicht werth aller Barmherzigkeit und Treue, die Du an mir gethan hast“. Auch ich musste von Herzen mit einstimmen in diese Worte. Ja, der Herr sei gelobet und gedankt für alles, was er im verflossenen Jahre an mir gethan hat, sonderlich auch für die gute Fahrt übers Meer und für die Erhörung des Gebetes vor meiner letzten Reise nach meiner Heimath.
Januar, d. 1.
Predigt von J. Leipoldt über Off. 21, 5 „Siehe ich mache alles Neu“
Nachmittags Predigt vom Vater über Matth. 28, 20 „Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“
Januar, den 2.Trappen in Buekes [Beukes] Kraal.
Januar, den 3.
Geburtstag von Schw. Leipoldt, Roggen reinmachen in Beukes Kraal
Januar, den 4.Louise Fismers Geburtstag
Januar, den 5.
Br. Dönges kömmt vom Kap zurück aus Wupperthal an mit seiner Familie und Maria Leipoldt.
Januar, den 7.
Bruder Leipoldt und Bruder Dönges mit seiner Familie bei Bruder Fismer zum Kaffee. Abends die evangelische Missionsstunde.
Januar, den 8.
Nach Mordenars Gat [Moordenaars Gat?] zu Trappflur [5]
Januar, den 9.
Rückkehr von Mordenars Gat. Abends Betstunde für die Missionare unter den Heiden und für das Volk Israel.
Eine Frau wurde von einem giftigen Thiere gebissen.
Januar, den 10.
Morgens 2 Uhr starb die Frau, welche von dem giftigen Thiere gebissen worden war und wurde abends beerdigt. Bruder Dönges hielt die Leichenpredigt.
Januar, den 12.
Briefe geschrieben nach Deutschland. Abends Betstunde für die christliche Kirche.
Januar, den 13.
Missionsfest. Erste Predigt hielt Br. Dönges, zweite Joh. Sonntag Leipoldt über Jes. 60 die ersten Verse, dritte der Vater
Januar, den 15. Dachdecken geholfen
Januar, den 16. Wasser geleitet im Weingarten
Januar, den 17. Nach Mordnaars Gat zur Trappflur
Januar, den 18.
Von Mordnaars Gat nach Groß Vogelfly [Vogelvlei?], von da mit Bruder Fismer seinen Schäfer nach Klein-Vogelfly [Vogelvlei], von da nach Wupperthal
Januar, den 19.
Amandel und Birnen gepflückt und einen Brief geschrieben nach Bruder Schrenk auf Ebenezer
Januar, den 20.
Predigt gehalten von Br. Dönges über 1. Thimo. 6,12
Abends Begräbnis einer alten Jungfrau
Januar, den 21.
Morgens um 1 Uhr ging ich in Gesellschaft von Joh. Leipoldt und 2 Bastard-Jungen Eselsbank zu, um von da aus nach Schneekopf zu gehen, einem der höchsten Berge in der Capcolonie, von wo aus man sehr weit sehen kann. Wir hatten uns auf 2 Tage mit Nahrungsmitteln versehen, um eine Nacht auf dem Berge zu bleiben. So wanderten wir in aller Frühe bei schönem Mondenschein Eselsbank zu und kamen um 4 Uhr daselbst an, begrüßten Herrn Vos, welcher schon aufgestanden war, und Schw. Hörnemann mit ihren Kindern, blieben bis nach der Morgenandacht und gingen dann, nachdem wir uns erquickt hatten mit einer Tasse Kaffee, dem Schneekopf zu. Anfangs hatten wir den Fußpfad, welchen wir zuletzt verloren und dann einen ganz ungebahnten Weg über Hügel und Klippen ersteigen mussten. Ehe wir nun die eigentliche Spitze des Berges erstiegen, erquickten wir uns zuvor mit einer Tasse Kaffee, und dann gings mit frischem Muthe den steilen Pfad hinan. Um 1 Uhr waren wir oben. Der Wind wehte recht frisch. Wir suchten daher, nachdem sich unsere Augen ein wenig gesättigt hatten, einen Bergungsort und legten uns hinter einen von Engländern erbauten steinernen Thurm und hielten Mittagessen, welches aus Fleisch, Brot und Obst bestand. Danach suchte Joh. Leipoldt mit einem Jungen Wasser auf und fanden es eine Stunde weit bergabwärts. Jetzt wollten wir Kaffee kochen und machten uns alle auf den Weg dem Bach zu. Daselbst angekommen, machten wir schnell Feuer an, und es dauerte nicht lange, da kochte das Wasser. Weil wir aber den Kaffee hatten oben gelassen, mussten wir es wieder ausgießen und klares Wasser trinken, wo wir noch etwas Zwieback hinzufügten. Es wurde nun ein Kessel voll Wasser geschöpft und wieder bergan geklettert. Wie wir kaum oben waren, sahen wir weithin, wie sich die Sonne spiegelte im Meere und dann unterging. Wir hatten schon im Heruntergehen einen geeigneten Platz gefunden, wo wir die Nacht über ruhen wollten, welchen wir auch einnahmen, machten Abendbrot, befahlen uns dem Schutz Gottes und legten uns auf zusammengesuchte Heide nieder. Es war in der Nacht sehr kalt, so dass ich nicht recht schlafen konnte, stand mitten in der Nacht auf, suchte einige glatte, dünne Steine, um die, nachdem ich mich wieder mit Heide zugedeckt, obenauf zu legen. Da wurde ich etwas wärmer, und das Schlafen ging besser. Um 2 Uhr rief Br. Leipoldt „Es regnet“ und fragte, ob wir gleich aufbrechen sollten und nach Hause gehen. Zu meinem Erstaunen fand ich, dass meine Decke schon ziemlich nass war und machte mich rasch ans Feuer wie auch die anderen. Wir machten schnell den Entschluss zu bleiben und einen anderen Platz einzunehmen, nämlich Engländer (Geographen) hatten eine Felsenhöhle mit Steinen ausgebaut, aber ziemlich viel Unrath darin nachgelassen, welchen wir nicht gerne herausmachen wollten. Jetzt war aber kein anderer Rath. Uns fror entsetzlich und steckten alles, was in der Hütte war, in Brand, kehrten dieselbe aus und machten Feuer an. Da ging es besser. So war es Januar, der 22. geworden. Morgens 6 Uhr wurde Kaffee gekocht. Das Wasser dazu war soeben aus den Wolken gekommen, welches wir von einer großen Klippe hatten in einen Kessel tropfen lassen. Nachdem wir getrunken hatten, wurde eine kleine Jagd gemacht, aber nichts erjagt. Um 11 Uhr wurde Mittag gegessen. Dann sahen wir uns auf der Spitze des Berges um und traten den Rückweg an. Beim Heruntergehen machte es uns Spaß, dicke Steine den Berg hinab zu wälzen, welche unaufhaltsam den Berg hinabeilten. Doch hielten wir uns nicht zu lange auf. Wir hatten noch einen langen Weg vor uns. Und wie wir einige Stunden gegangen waren, kamen wir an einen Wasserfall. Unten standen Cederbäume. Auch fand sich da ein guter Platz zum Ausruhen und noch einmal Kaffee zu machen, und wurde da der letzte Rest von unserem Proviant verzehrt. Mit dem Dunkelwerden kamen wir auf Eselsbank an, übernachteten da bei Schw. Hörnemann, wo wir auch noch den anderen Tag blieben.
Januar, den 23.
Auf Eselsbank bei Schw. Hörnemann, deren Mann vor einigen Monaten gestorben. Der Tod ihres lieben Mannes, durch den sie zum Heiland geführt worden, lag ihr sehr auf dem Herzen, und wir konnten nur rechtes Mitleiden haben.
Spät abends gingen wir wieder nach Wupperthal.
Januar, den 27.
Predigt von Joh. Leipoldt über Jes. 57, 15
Sonntag?
Januar, den 28.
Abends Abschiedswort von Br. Dönges üb. Apg. 20, 32
Januar, den 29.
Nachmittags 4 Uhr verlässt Br. Dönges Wupperthal. Der größte Teil der Gemeinde begleitet ihn bis Beukes Kraal, und ein warmer Abschied findet statt.
Januar, 30. u. 31.
In Mordenaars Gat bei der Trappflur
Februar, den 1.
Komme abends von Mordenaars Gat zurück und irre 2 Stunden im Gebüsch umher und komme erst um 10 Uhr zu Hause. Schw. Fismer war von einer Spinne gestochen.
Februar, den 7.
Trauben geschnitten und Wein und Rosinen gemacht
Februar, den 8.
Ein 6 Stunden dauernder, fruchtbarer Regen
Februar, den 9.
Bruder Wegels Trauben geschnitten und Brief geschrieben nach Br. Hahn
Februar, den 10.
Br. Joh. Leipoldt predigt über Matth. 5, 3 –5
Sonntag
Februar, den 11.
Erhalte einen Brief von Herrn Ritter, worin er anfrägt, ob ich ihn begleiten wolle nach dem Damaraland
Februar, den 12.Trauben geschnitten
Februar, den 14.
Abends hält Br. Leipoldt eine Abschiedsrede über die Worte 1. Korinth. 16, 13 u. 14
Februar, den 15.
Nachmittags um 4 Uhr verlassen Br. Leipoldt mit Frau und Tochter Maria wie auch Schw. Fismer und ihre kleine Tochter Louise Wupperthal, um nach Lambertsbay nach dem Bade zu gehen. Br. Joh. Leipoldt und Br. Fismer und Kinder und ich begleiteten sie eine gute Strecke. Der Herr segne die Lieben, die mir soviel Liebe erwiesen haben, zeitlich und ewiglich.
Februar, den 16.
Herr Vos von Eselsbank war zu Besuch bei Fismer. Einen Brief an Herrn Ritter geschrieben.
Februar, den 17.
Br. Leipoldt predigt über Matth. 5, 6 – 8
Sonntag Februar, den 18.
Brief von Deutschland von meiner lieben Braut
März, den 1.
Johannes Leipoldts Geburtstag
März, den 8. u. 9.
Briefe geschrieben nach Gütersloh an meine Braut und Herrn Pastor Meyer
März, den 19.
Abends 10 Uhr nahm ich Abschied von Wupperthal. Es war schöner
Mondenschein. Br. Joh. Leipoldt und Fismer begleiteten mich, wie auch die Töchter von Bruder Fismer, eine gute Strecke. Dann ritt ich mit Begleiter durch die Kloof nach Clan William, und am anderen Morgen um 9 Uhr, den 20. März kam ich daselbst an und logierte bei Fl. Lind.
März, den 21.
Morgens 8 Uhr verließ ich Clan William und fuhr mit der Postkarre dem Cap zu. Abends um 8 Uhr begann es zu regnen. Um 9 Uhr kam ich auf Piketberg an, stieg daselbst aus und kehrte ein wenig bei Herrn Hanna ein. Derselbe war so freundlich und gab mir seinen Mantel bis Malmesburg, um mich vor Kälte zu shützen.
März, den 22.
Um 6 Uhr kam ich in Malmesburg an und mittags um 1 Uhr in Capstadt und fand bei Herrn Schwabe ein Unterkommen. Abends machte ich mit Herrn Schwabe einen Spaziergang nach der See, wo die Luft sehr angenehm war.
März, den 24.
Morgens predigte Pastor Parisius über Lukas 11, 14 – 28 in deutscher Sprache, nachmittags in holländischer Sprache über Hebräer 7. Abends predigte Pastor Marrey in der reformierten Kirche über 1. Korinth. 1
März, den 25.
Morgens 6 1/2 Uhr begann ich eine Spazierreise mit Carl Schwabe um den Löwenkopf. Oben in der Spalte zwischen Tafelberg und Löwenkopf ist eine herrliche Aussicht, von wo man über den Tannenwald und Stadt bis weit in das Meer sehen kann. Abends 6 Uhr holte ich Br. Viehe ab vom Bahnhofe und begrüßte ihn zum ersten Mal, da zum ersten Mal auf afrikanischen Boden
März, den 26.
Verschiedene Einkäufe gemacht mit Br. Viehe und zusammen nach dem Brakwater gewesen.
März, den 27. (Br. Viehe sein Geburtstag)
Morgens um 8 Uhr bestiegen Bruder Viehe und ich den Omnibus, der nach Weinberg fährt, blieben bei der ersten Station halten und machten eine Reise um den Löwenkopf. Danach besuchte ich den botanischen Garten und Museum. Nachmittags reisten Br. Viehe und ich zusammen nach Stellenbosch, trafen auf dem Bahnhofe Br. Felling und begrüßten ihn da zum ersten Male in Afrika. Abends hielt Br. Krönlein Gebetsstunde über Jesus in Gethsemane.
März, den 28.
Abends predigte Br. Viehe über Petri Verleugnung, hörte ihn da zum ersten Male predigen
April, 15.
Superintendent Br. Zahns Geburtstag, geb 1808
April, 19. Karfreitag
Briefe abgeschickt nach Deutschland an: Insp. Fabri, Br. Teige, Thumena, Bruder Friedrich, eingelegt für Tante A. Brünger, C. Brünger, G. Redecker, Bockschatz, meine Braut, eingelegt 1 für Pastor Volkening und H. Bockstigel. Morgens predigte Br. Terlinden über die Kreuzigung Jesu. Danach Abendmahlsfeier, meine dritte in Afrika, in Gemeinschaft mit Br. Viehe und Felling und Geschw. Krönlein. Nachmittags Predigt von Br. Krönlein über Jesu Grab. Abends Betrachtung über Jesus im Grabe und was dabei geschehen. Er findet 3 Vergissmeinnicht Glaube, Liebe, Hoffnung. Abends in der Kirche erhielten wir die Nachricht, dass unser Schiff in Tafelbay angekommen sei, welches uns nach Walfischbai bringen sollte.
April, 21. Osterfest
Morgens Predigt von Bruder Lückhoff über Lukas 24, nachmittags von Br. Terlinden über 2. Thimoth. 2,8, abends Br. Krönlein Abschiedsrede. Text aus allen 4 Evangelien. Die Auferstehung des Herrn Thema – das verschiedenartige Offenbaren des Herrn als der Auferstandene an seinen Jüngern und Jüngerinnen. Zuletzt noch einen kleinen Besuch mit Br. Felling nach Cornelissen.
April, 22.
Morgens einen ziemlich langen Spaziergang mit Br. Felling in Br. Lückhoffs Garten. Br. Felling offenbarte mir ein besonderes Ereignis in seiner Lebensführung? Und gingen Vormittag noch zusammen nach Cornelissen. Nachmittags brachten wir zusammen unsere Sachen zu Br. Terlinden. Auch holten wir einen Kasten voll Bäumchen von Br. Knab. Br. Felling nahm zugleich Abschied - alles dies geschah in einem prächtigen Regen. Danach wurden die Wagen von Cornelissen zu Br. Terlinden geschafft und geladen. Abends machte ich wieder mit Bruder Felling einen Besuch bei Cornelissen und besprachen uns über die Reise nach dem Cap, die wir den anderen Tag vornehmen wollten.
April, 23.
Morgens in aller Frühe, um 5 1/2 Uhr, eilten Br. Felling und ich nach plötzlichem Erwachen zu Br. Terlinden, um Herrn Ritters und Br. Krönleins Wagen nach dem Bahnhofe schaffen zu helfen. Leider waren sie bereits hingeschafft. Gingen nun zu Cornelissen und erfuhren, dass die Wagen schon um 4 Uhr abgegangen seien. Ich ging sofort mit Cornelius nach dem Bahnhofe und half die Wagen auf die Waggons. Br. Felling hielt sich noch ein wenig auf
bei Frau und Tochter Cornelissen, weil er nicht dachte, dass er noch einmal nach Stellenbosch wieder zurückkommen würde und weil er recht intim mit ihnen geworden, wollte das Abschiednehmen nicht so schnell gehen. Wie wir gerade fertig waren mit den Wagen, kam Br. Felling und gleich danach Herr Ritter und Br. Krönlein und fuhren zusammen nach der Stadt. Mynheer Cornelissen fuhr auch mit. Um 10 Uhr kamen wir in Capstadt an und bald wurden unsere Wagen
nach dem Hoofeld geschafft. Das Einladen in die Boote ging langsam, so dass wir nicht mehr am selbigen Tage zurück konnten mit der Train. Kehrten deshalb im Markhause ein und tranken eine Tasse Kaffee, weil unser Magen noch nichts bekommen hatte. Danach gingen wir in die Stadt und machten verschiedene Einkäufe. Unter anderem kaufte ich mir auch einen Trauring. Danach gingen wir zu Herrn Vos, um zu hören, wann eigentlich unser Schiff abfahren würde und wurden dann von Cornelissen nach Mores Hotel geführt, wo wir die Nacht blieben.
April, 24.
Morgens zuerst mit Br. Felling und Cornelissen einen Spaziergang nach dem Hoofeld gemacht. Auch besahen wir ein großes Schiff, welches am Strande aufgezogen war, machten dann wieder verschiedene Einkäufe und gingen zu Herrn Schwabe, wo ich auch einen Koffer kaufte, den ich bei Herrn Vos packte. Als wir Mittag gegessen hatten, gingen wir wieder zum Strande und fuhren mit dem Capitain von der Lightning in einem Boote nach dem Schiffe, wo wir mit fahren sollten. Danach ging ich noch einmal zu Herrn Vos und bekam die Nachricht mit nach Stellenbosch, dass unser Schiff möglicherweise am anderen Tage abfahren könne und die Geschwister am anderen Tage nach Capstadt kommen sollten. Um 3 Uhr kamen wir wieder im Hotel zusammen und fuhren
nach Stellenbosch ab und sahen im Waggon die Sonne zum letzten Male in dem lieblichen Stellenbosch untergehen. Abends war Betstunde, gehalten von Pastor Hofmeier über .................
April, 25. (Herr Ritters Geburtstag)
Morgens früh wurden alle Sachen zu Br. Terlinden gebracht und wurden mit seiner Karre zur Eisenbahn geschafft. Um 8 Uhr sollten wir Geschwister von da abfahren und alle Geschwister von Stellenbosch begleiteten uns. Br. Hahn und Br. Terlinden fuhren mit nach Capstadt, wie auch die Kleine von Br. Krönlein und Johannes Lückhoff. Mittags aßen wir zusammen bei Herrn Vos und wurde von demselben noch ein Toast ausgebracht auf Herrn Ritters Geburtstag. Des Nachmittags wurden noch einige Kleinigkeiten eingekauft. Br. Viehe, Hahn, Felling und ich logierten des Nachts bei Marais.
April, 26.
Kurz vor Mittag schrieb ich noch ein Briefchen an Br. Fismer, und wie ich eben damit fertig war, erhielten wir die Nachricht, dass um 2 Uhr alle Geschwister bei Herrn Vos sein müssten. Nach 3 Uhr verließen wir dessen Haus und damit auch die Capstadt, um an Bord zu gehen. Br. Linden, Br. Hahn, Johanne Lückhoff, die kleine Julchen Kreft gingen mit nach dem Strande. Pastor Parisius, 3 Mädchen von Br. Vollmer waren auch da und fand ein herzlicher Abschied statt, und wurden Taschentücher als letztes Lebewohl geschwungen bis wir uns aus den Augen verloren. Der Wind war ziemlich stark und wurden von einigen Wellen ertappt. Bruder Felling wurde gleich im Boote seekrank, und fuhren nicht mehr am selbigen Tage aus dem Hafen.
April, 27.
Als ich erwachte, war unser Schiff bereits am fahren, auch fühlte ich einen sehr schlechten Geschmack im Munde, und es dauerte nicht lange, da wurde ich von der Seekrankheit ergriffen, welche ungefähr 3 Tage anhielt in einer schrecklichen Weise. Mit Br. Felling und Viehe war es ziemlich dasselbe, und wir waren zusammen in einer Cabine. Herr Ritter und Geschw. Krönlein und Olpps Braut wurden eigentlich nicht seekrank. Nur spürten sie am 2. Tage Kopfschmerzen. In den ersten 8 Tagen hatten wir immer Gegenwind, und unsere Lightning kreuzte hin und her, und kamen doch so langsam voran. Sonst war das Wetter recht schön und angenehm. Einmal sahen wir eine große Menge Walfische. Die machten ein furchtbares Gebrause. Auch sahen wir eine Menge andere Fische ganz in der Nähe unseres Schiffes. Herr Ritter und W. Wall, die eine Angel mitgenommen hatten, hatten mehrere Male das Glück, einen Fisch zu fangen.
May, 4.
Mittags kam der Südwestwind auf und unser Schiff fuhr sehr schnell.
May, 5. Sonntag
Der Wind hatte die ganze Nacht durch gut geweht und waren des morgens alle früh auf dem Verdeck, um das Eiland Pomuna zu sehen, und wo auch unser Schiff einige Tage vor Anker liegen sollte. Doch wurden wir verhindert durch einen starken Nebel, das Eiland früh genug zu entdecken und bereits vorbeigefahren als auf einmal Louise Wagener Price of Walesbay entdeckte, und wir mussten nun wieder zurück, dem Wind entgegen kreuzen. Wir Geschwister hatten inzwischen Ruhe, uns unten im Schiff zu versammeln um unsere Seelen zu erbauen durch das Wort Gottes. Br. Krönlein hielt noch eine Erklärung über das Evangelium desselbigen Tages (Jesus der gute Hirte). Nachmittags kam wieder ein starker Nebel auf, so dass wir das Eiland nicht sehen konnten und mussten die ganze Nacht kreuzen. Morgens sahen wir Hunderte von Seevögeln auf dem Meere schwimmen. Auch Fische sprangen am Schiffe herum; besonders sprangen die Fische des Abends wie die Hasen am Schiffe umher.
May. 6.
Wie es hell wurde, entdeckte der Capitain, dass wir wieder am Eiland vorbeigefahren und ganz nahe bei Prince of Walesbay [6] [Prince of Wales Bay] waren und zog vor, nun erst daselbst zu landen und alle Güter ans Land zu setzen und dann nach Pomuna [Pomona] zurückzufahren, um Mr. Wal seine Güter zu landen. Um 8 Uhr fiel der Anker und war eine große Freude auf dem Schiffe. Geschwister Krönlein durfte nun nach zweijähriger Abwesenheit wieder das Namaqualand betreten und Schwester Louise Wagener sollte nun bald ihren lieben Bräutigam sehen und in ihre Arme schließen. Wohl um 9 Uhr stiegen Br. Krönlein, Herr Ritter und Br. Viehe an Land. Gerade in derselben Zeit entschlief sanft und selig Salomo, welcher 4 Jahre im Schullehrer-Seminar in Gnadenthal [7] gewesen. Danach erkrankte er und wollte nun mit Br. Krönlein nach seiner Heimath Berseba zurückkehren. Als die Brüder soeben das kleine einzige Robinsonsche Haus in der Bay betreten hatten, sahen wir vom Schiff aus einige Reiter mit Pferden aus dem Gebirge kommen. Wir meinten, es wären Br. Olpp und Br. Kreft. Hernach stellte es sich aber heraus, dass es Br. Olpp mit 4 Pferden und Begleiter war. Um 10 Uhr kam Br. Olpp aufs Schiff, um seine Braut in Empfang zu nehmen – welch eine Freude. Auch hier musste man besonders wieder die Freundlichkeit und Güte des Herrn gewahr werden und erfahren, wie er alles so wohl führt.
Mittags bei Tische saß ich gerade neben Bräutigam und Braut und fühlte etwas von der Freude, die sie in ihren Herzen hatten. Den Tag über wurden Güter ausgeladen. Br. Krönlein hatte einen Sarg mitgenommen im Fall Salomo sterben würde, und nagelte ihn mit Br. Felling zusammen. Br. Viehe schlief des Nachts mit im kleinen Häuschen.May, 7.
Morgens wurde Salomo begraben. Den Tag über wurden Güter ausgeladen und ans Land gebracht. Br. Felling nagelte ein Kreuz zusammen für Salomos Grab.
May, 8.
Die Strandung [Brandung?] war stark, und mussten noch einige Güter ans Land geschafft werden und weil ich noch nicht am Lande gewesen war, ging ich mit dem ersten Boote, begrüßte noch eben die lieben Geschwister und kehrte mit demselben Boote zurück. Danach gingen der Capitain und Herr Ritter noch ans Land. Mr. Wal stieg auch ans Land, um zu Fuß nach Pomuna [Pomona] zu gehen, wir fuhren aber nicht mehr aus der Bay am selbigen Tage.
May, 9.
Gegen 10 Uhr wurde der Anker gelichtet, und wir verließen die Bay. Einige Geschwister sahen, wie unser Schiff die Segel spannte. Mit einem Male kam ein Nebel auf, und sie konnten uns nicht mehr sehen. Abends mit Sonnenuntergang ließen wir den Anker fallen vor dem Eilande Pomuna [Pomona].
May, 10.
Morgens früh fuhren unser Capitain und Herr Ritter nach dem Eilande und brachten Eier mit, wovon wir einige zum Frühstück bekamen. Kurz vor Mittag kam Mr. Wal aufs Schiff zurück, und um 1 Uhr wurde der Anker gelichtet, woran wir alle halfen, und um 4 Uhr nachmittags waren wir wieder in Prince of Walesbay, wo wir wieder ankerten.
May, 11.
Um 9 3/4 wurde wieder der Anker gelichtet und sahen noch, dass 2 Wagen und Ochsen in der Bay angekommen waren. Um 10 1/2 wurden 2 Kanonen abgefeuert, um damit den Geschwistern noch ein Lebewohl zuzurufen. Mit einmal wurde der Wind still und ließen wir den Anker wieder fallen. Um 1 Uhr kam ein guter Wind, und schnell wurde der Anker gelichtet und die Segel gespannt. Und noch ein dritter Kanonenschuss wurde getan als Zeichen des Abschiedes, und bald war Prince of Walesbay unseren Augen entschwunden.
Abends 9 Uhr 4 Kanonenschüsse bei Halefax, von wo ein Boot an unser Schiff kömmt.
May, 12. (Sonntag)
Um 9 Uhr morgens bei Ichabo-Eiland und ließen daselbst den Anker fallen. Es war gerade ein Schiff da, um Guano zu laden, und war auf der Insel ein großer Zaun von Brettern gemacht, um die vielen Seevögel abzukehren. Wir ließen daselbst ein Boot und um 11 1/2 Uhr wurde der Anker gelichtet. Wir fahren mit sehr gutem Winde weiter dem Norden zu. Abends war sehr schöner
Mondenschein. Br. Felling und ich gingen bis ungefähr 10 Uhr spazieren und verlustigten uns an die vielen Fische, die am Schiffe herumplätscherten.
May, 13.
Sehr schönes Wetter. Abends sehr guter Wind, so dass unser Schiff wie ein Vogel übers Meer flog und war bis spät hin am Briefschreiben.
May, 14.
Morgens als wir aufstanden, sahen wir Walfischbay. Vor dem Frühstück wurden 30 Fische in Herrn Ritters und Mr. Wolastones Angel gefangen. Der Wind bis kurz vor Mittag sehr still. Dann wurden wir schnell in die Bay getrieben. Um 2 Uhr 11 Minuten fiel der Anker. Dem Herrn sei Dank, dass er uns so sicher hat ankommen lassen an dem Ufer unserer Bestimmung. Nachmittags wurde gleich der Anfang mit Ausladen gemacht. Ich blieb auf dem Schiffe.
May, 15.
Nach dem Frühstück fuhr ich mit dem ersten Boot ans Land, und zum ersten Male betrat ich meine neue Heimath, ein wichtiger Augenblick. – Ein Gottlob stieg aus meinem Herzen zum Himmel empor, dass der treue undgütige Herr bis dahin geholfen und ein Seufzen, dass er auch weiterhin helfen möchte. Auch hatte ich Gelegenheit, zum ersten Male mit Namaquas und einigen Hereros tüchtig zu arbeiten beim Transport der Güter vom Strande ins Packhaus. Des Nachts schlief ich zum letzten Male auf der Lightning.
May, d. 16.
Nach dem Frühstück verließen wir unser Schiff. Der Capitain und Mr. Wolaston gingen mit ans Ufer. Kurz vor Mittag, nachdem unser Schiff 2 Kanonenschüsse gethan, entschwand es unseren Augen. Auch schickten wir dasselbe einige Flintenschüsse nach, und die Namaquas machten ein tüchtig Gewehrfeuer. An demselben Tage war es mit Essen und Trinken nicht besonders.
May, d. 17. u. 18.
Br. Felling und ich das erste Wagentent gemacht
May, d. 19., Sonntag
Spaziergang mit Br. Felling an der See entlang. Abends eine Besprechung über ................. bei Mr. Stewurtsen.
May, d. 20.
Herrn Ritters Wagen gepackt. Morgens früh kam Br. Böhm und Eggert mit 2 Wagen und Mr. Higgs mit 3 Wagen.
May, d. 21.
Meine und Br. Fellings Sachen eingepackt und auf Eggerts Wagen geladen.
May, d. 22.
Nachmittags um 1/2 4 verließen wir Walfischbay und fuhren beinahe durchs Flussbett und spannten aus.
May, d. 23.
Nachmittags 4 Uhr wurde eingespannt. Abends machten wir auf einem kahlen Platze halt, um eine Tasse Thee zu bereiten und fuhren dann die ganze Nacht durch.
May, d. 24.
Vor Tagesanbruch kamen wir auf Hygamkop [8] an, kehrten bei Herrn Eggerts ein wo Br. Baumann auch des Nachts mit einem Commando angekommen war, hatten am selbigen Tage Ruhetag und wurden von Herrn Eggert freundlich bewirthet.
May, d. 25.
Nachmittags 2 Uhr verließen wir Hygamkop. Br. Felling und ich fuhren mir Br. Bötans Wagen und fuhren bis 12 Uhr nachts.
May, d. 26., Sonntag
Morgens um 4 Uhr wurde eingespannt, und um 9 Uhr machten wir unter einem Kamelbäumen halt. Eine halbe Stunde davon entfernt war Wasser. Es wurde schnell Thee gekocht und das Frühstück zubereitet. Danach wurde Hebr. 11 gelesen als sonntägliche Andacht. Es war ein recht friedlicher Sonntag. Nach der Andacht wurde Suppe gekocht, um 1 Uhr gegessen und gegen Abend ein Spaziergang nach der Wasserstelle gemacht.
May, d. 27.
Nach Mitternacht, nachdem der Mond aufgegangen war, wurden die Ochsen gesucht. Das Einspannen dauerte sehr lange, und fuhren wir um 3 Uhr von dannen, freuten uns, dass wir am Morgen Salem [9] , die erste Station im nördlichen Afrika, sehen sollten. Ja [Je] mehr wir uns Salem näherten, desto freundlicher wurde die Gegend. Um 7 Uhr erreichten wir Salem. Br. Böhms Frau war sehr erfreut, ihren Mann wieder zu empfangen, und wurden auch wir aufs Herzlichste empfangen. Die Nachmittagsruhe genoss ich mit Br. Felling in der Laube.
May, d. 28.
Morgens gingen wir Reisegefährten auf die Jagd und wurden einige Vögel erlegt. Nachmittags gingen wir zusammen auf einen Hügel und fanden einen sehr großen Skorpion.
May, d. 29.
Nachmittags um 3 Uhr verließen wir das friedliche Salem mit den prächtigen Bäumen und klarem Wasser. Br. Felling und ich fuhren mit Willem Cloete seinen Wagen.
30. May, (Himmelfahrtsfest)
31. May (Br. Baumanns Geburtstag)
Morgens erreichten wir Zoubis [heute Tsaobis?], und Br. Viehe, Felling und ich machten zunächst eine kleine Jagd, und dann wurde Reissuppe gekocht und dazu ein Braten gemacht.
Juni, d. 1.
Morgens vor Sonnenaufgang kamen wir auf Otyimbingue an. Gott sei gelobt und gedankt. Br. Hahn empfing uns vor seinem Hause und kamen gerade noch früh genug, um die Hausandacht beizuwohnen. Nach der Andacht hatten wir zunächst das Vergnügen, uns den Staub abzuwaschen, und dann gings ans Erzählen. Nachmittags quartierten Br. Viehe, Felling und ich mit unseren Sachen nach Schw. Kleinschmidt.
Juni, d. 2.
Erster Sonntag auf Otyimbingue. Morgens wurden wir neuangekommenen Brüder der holländischen und auch Herero-Gemeinde vorgestellt.
Juni, d. 3.
Anfang gemacht am Düngen zum Kornlande.
Juni, d. 8.
Br. Brinker und Herr Ritter kommen von Barmen.
Juni, d. 18.
Fertig mit dem Sälande.
Juni, d. 19.
Allgemeine Conferenz von den Brüdern im Hererolande. Dieselbe wurde eingeleitet von Br. Hahn durch eine Predigt über 2. Corinth. 4/7.
Juni, d. 23.
Schluss der Konferenz. Dieselbe ersuchte die V. Gesellschaft um einen jungen Kaufmann, einen Schmied, einen Schuhmacher und einen Bauschreiner. Auch wurde die Gesellschaft ersucht, Eggert wieder in sein altes Amt nach Scheppmannsdorf [10] zu setzen.
Juni, d. 24. (Sonntag)
Br. Böhm hielt die Hauptpredigt. Br. Brinker die erste Bibelstunde in der neuen Kirche.
Juni, d. 25.
Das Abschreiben des Protokolls wird beendigt und des Abends vorgelesen und von allen Brüdern der Conferenz unterschrieben. Herr Ritter sprach seinen Dank gegen die Brüder der Conferenz aus über freundliches Entgegenkommen.
Juni, d. 26.
Br. Böhm und Eggert treten ihre Rückreise an und das Säen der Sämereien im Flusse beginnt.
Juni, d. 27.
Br. Brinker kehrt nach Barmen zurück.
Juni, d. 29.
Br. Felling und ich gehen zusammen nach Holz und verrenke beim Aufladen den linken Arm.
Juni, d. 30.
Sonntag und muss im Bett liegen. Mr. Palgrave besucht mich.
Juli, d. 5.
Brief an meine Braut geschrieben.
Juli, d. 6.
Mr. Palgrave reist ab nach dem Cap.
Juli, d. 7.
Feiere zum ersten Male das Heilige Abendmahl. Erinnerung an die Schlachten und den Sieg bei Königgrätz.
Juli, d. 9.
Herr Ritter reist ab. Br. Felling und ich ziehen auf die Station.
Juli, d. 10.
Brief geschrieben nach Bruder Hahn in Stellenbosch.
Juli, d. 17.
Erste Conferenz unter uns Brüdern auf Otyimbingue, und wurde Epheser 1 als erster Bibelabschnitt gelesen. Die erste Post seit meinem Hiersein und erhielt einen Brief von meiner lieben Braut.
August, d. 12.
Erinnere Br. Baumann an unsere glückliche Landung am Cap.
August, d. 14.
Nach der Morgenandacht erhielten wir die Nachricht von Klara Hälbichs Tode.
August, d. 15. Geburtstag
Klärchen wurde beerdigt und erhielt Leichentext. Br. Hahn hielt die Predigt und Br. Viehe die Begräbnis-Liturgie.
August, d. 17.
Sieben Weinstöcke von Stellenbosch an Br. Hahns Haus gepflanzt.
August, d. 25. bis 31.
Weinstöcke gepflanzt auf der alten Station
September, d. 1.
Das Heilige Abendmahl gefeiert
September, d. 5.
Johannes fährt nach der Bay, um die erste Kanzel für das Damaraland zu holen und nimmt Briefe mit von mir, einen an meine liebe Braut und einen an meinen Schwiegervater.
September, d. 6.Palmen gepflanzt
September, d. 10.
Mit Geschwister Hahn und Br. Viehe und mehreren Mädchen aus Hahns Hause nach Anawood [11] gefahren zu Samuel. Ein Theil des Kornes stand gut, der andere Theil, welcher später gesät war, stand nicht zum besten. Der Boden war zu trocken. Der Bestand des Viehes war gut.
September, d. 11.
Nachmittags um 3 Uhr fuhren wir von Anawood ab. Anfang war recht heiß. Abends war es sehr schön und wurde fast immer gesungen, deutsche, holländische und Herero-Lieder. Br. Hahn ging voraus und kam weit vom Wagen ab und hat sich gewiss recht erquickt über den lieblichen Gesang im Wagen. Br. Viehe und ich hatten nicht Lust zum Gehen, weil wir von der Jagd sehr müde waren. Um 11 Uhr kamen wir zu Hause [an].
September, d. 13.
Elisabeth Kleinschmidts Geburtstag.
September, d. 18.
Gerücht, die Namaqua kämen. Nachmittags wurde das Wagenhaus geräumt und zum Vertheidigen eingerichtet und Kugeln gegossen. Abends war Conferenz und wurde beschlossen, Br. Viehe sollte nach Br. Brinker auf Barmen.
September, d. 19.
Der Wagen, welcher Br. Viehe nach Barmen bringen sollte, wurde fertiggemacht, aber keiner von unseren Leuten wollte es wagen, mit ihm zu gehen, musste deshalb hierbleiben. Es wurde nun begonnen, Verschanzungen zu machen und ein langer Graben ausgeworfen. Abends hörten wir, dass die Gerüchte Lügen seien.
September, d. 20.
Die Kriegsvorbereitungen wurden noch von einigen Hereros fortgesetzt bis Mittag, indem sie noch einen Graben zwischen Kirche und Wagenhaus auswarfen. Zugleich wurde auch der Garten wieder in Angriff genommen. Johannes Gertze kömmt [kommt] mit der Kanzel auf Otjimbingue an.
September, d. 28.
Bekomme Briefe aus Deutschland von meiner lieben Braut, meinen Brüdern Gottlieb und Friedrich, Pastor Brünger, Tante A. Brünger, Freund Schulze und König.
September, d. 29.
Feiere in aller Stille meinen Geburtstag und bin mit meinem Geiste bei meiner lieben Familie, indem ich noch die Nachrichten vom vorigen Tage überdenke. Gott sei Lob und Dank, dass er mich bis hierher so gnädiglich geholfen. Er wolle auch im neu angetretenen Jahre helfen und mich durch seine Gnade behüten.
Oktober, d. 1.
Br. Hahn reist mit Br. Viehe nach den Rehoboters. [12]
Oktober, d. 4.
Br. Hahn u. Viehe kommen von den Rehoboters zurück.
Oktober, d. 7.
Nachts um 2 Uhr hat der Herr Br. Hälbich einen kleinen Sohn beschert. Die Entbindung ging über alles Erwarten gut.
Oktober, d. 13.
Heute ist Hälbichs Söhnchen getauft und erhielt den Namen Ernst Christoph Daniel. Bericht an die Deputation geschrieben, am 12. begonnen.
Oktober, d. 14.
Morgens nach der Andacht nach Anawood gefahren, um Korn zu holen. Abends von da zurückgefahren mit einem großen Fuder, im Fluss stecken geblieben und nachdem mehr Ochsen geholt wurden und wir weiterfahren konnten, fiel das Fuder zweimal um, und kam am anderen Nachmittag mit einem halben Fuder zu Hause[an].
Oktober, d. 15.
Bruder Felling macht den Anfang mit Haferschneiden. Erstes Trappen (traben?) mit den Eseln.
Oktober, d. 16.
Abends nach Anawood gefahren, um Korn zu holen.
Oktober, d. 17.
Morgens vor Tag kamen wir in Anawood an ehe der Tag anbrach. Machten den Tag über den Wagen zurecht und schrieb einen Brief an meine Braut und meinen Bruder Gottlieb. Abends fuhren wir von da mit einem schön geladenen Fuder weg.
Oktober, d. 18.
Morgens vor dem ersten Läuten kamen wir glücklich auf Otjimbingue an und höre einen lieblichen Gesang in Br. Hahns Hause. Die Ursache davon war Br. Hahns Geburtstag. Nachmittags wurde getrappt.
Oktober, d. 21.
Es wird mit aller Macht begonnen, Korn zu schneiden und dauert bis zum 29. Oktober.
Oktober, d. 30.Letztes Korn eingefahren
Vom 8. bis 12. November Roggen ausgeschlagen
November, d. 13.Erster Regen
Nov. 14.Regen
Nov. 15.dto.
Nov. 16.kein Regen
November, d. 17.
Gerücht, die Namaqua wären in der Nähe von Barmen. Br. Brinker schreibt um Wagen, um ihn abzuholen, und Br. Baumann geht noch am selbigen Tage mit 2 Wagen ab nach Barmen.
November, d. 22.
Br. Baumann kömmt mit die Wagen retour. Hat Schw. Brinker und die meisten Sachen von Br. Brinker mitgebracht. Das Gerücht, die Namaguas [Namaquas] wären ganz in der Nähe von Barmen ist nicht wahr. Br. Brinker bleibt deshalb auf Barmen und wartet die Sache weiter ab.
November, d. 24.
Letzter Sonntag im Kirchenjahre und letzte Predigt in Br. Hahns Hause gehalten von Br. Viehe über die Epistel.
November, d. 26.
Angefangen, in der Kirche Sprüche zu malen. Alle sind beschäftigt in der Kirche, um dieselbe auf die Einweihung in den Stand zu setzen und zu schmücken.
December 1867, 1. (Erster Advent)
Kirchweihe auf Otyimbingue
Morgens um 8 Uhr läutete die neu aufgerichtete Glocke (die eigentlich für Gibion bestimmt war) mit der kleinen Glocke zusammen zur Einweihung. – Viele Leute eilen über das dürre Feld dem Kirchlein zu, wo das Wort des Lebens zum ersten Male sollte verkündet werden. Br. Felling und ich hatten vor der Kirchthüre auf Ordnung zu sehen. Ach! Ein unvergesslicher Augenblick, als ich so die armen, verkommenen Heiden in Dreck und Schmiere dastehen sah, und nun sollte ihnen ein Gotteshaus aufgethan werden. Gewiss waren die Engel Gottes auch da und freuten sich darüber und dankten und lobeten mit uns dem allgütigen, barmherzigen und liebevollen Gott und Vater in Christo Jesu, unserem Herrn und Heiland und dem Heiligen Geiste, der da zeuget von dem Vater und dem Sohne.
Als nun die Feier beginnen sollte, zog die holländische Gemeinde, mit Br. Hahn und Br. Viehe an der Spitze, der Kirche zu und machten vor der Thüre halt. Die kleine Herero-Gemeinde hatte sich daselbst schon aufgestellt und war bei ihnen die Freude besonders groß. Zu Anfang wurden einige Herero-Lieder gesungen.
Dann hielt Br. Hahn eine Ansprache in der Herero-Sprache. Dann wurde wieder gesungen und danach öffnete Br. Hahn die Kirchthüre, wobei er einige Worte sagte. Und nun füllte sich schnell die Kirche an, dicht vol [voll]. Zunächst wurde ein Herero-Lied gesungen, dann hielt Br. Hahn eine Herero-Predigt über ............... und dann folgte die eigentliche Weihe in der holländischen Sprache, indem er Predigtstuhl, Taufstein und Altar besonders einweihete [einweihte]. Danach folgte der Segen als Schluss der Feier. Um 10 Uhr versammelte sich die holländische Gemeinde, zusammen mit der Herero-Gemeinde in der nun eingeweihten Kirche zur holländischen Predigt und zur gemeinsamen Feier des Heiligen Abendmahles.
Br. Hahn predigte über das Evangelium desselbigen Tages. Br. Viehe hielt die Abendmahlsfeier. Br. Hahn half am Austeilen des Sacramentes. Mittags war ein Festessen, zusammen mit den Herero-Gliedern, im Esszimmer. Br. Viehe brachte – auf Wunsch aller – einen Toast auf Br. Hahn aus und deutete hin auf die große Freude, die er jetzt haben würde nach so langjähriger Arbeit und vielen Mühen, auch besonders im Bezug auf den Kirchenbau und wünsche ihm auch ferner Gottes Segen, und dass er noch recht lange unter uns sein möchte und wir mit ihm zusammen in Liebe an dem Werke der Mission hier arbeiten möchten. Br. Hahn erwähnte, dass Br. Hälbich am Bau der Kirche die meiste Mühe gehabt hätte, sprach seinen Dank darüber gegen ihn aus und legte ihm den Titel Architekt bei. Nachmittags war für uns Missionsgeschwister, Hausbewohner und Herero-Gemeinde Thee im Esszimmer, woran sich allerlei Gespräche knüpften. Auch wurden einige Herero-Lieder gesungen. Daniel Cloete hielt das Schlussgebet. Abends hielt Br. Viehe die Bibelstunde, wir standen bei Isaaks Tod und Begräbnis seiner beiden Söhne.
December, d. 9.
Gerücht, ein Namaqua-Commando sei am Anrücken, um unsere Station anzugreifen.
December, d. 10.
Geschwister Hälbich tritt seine Reise nach der Bay an. Mr. Irens reist mit ihnen, um nach dem Cap zu gehen. Als Br. Hälbich einige Stunden weg war, hieß es auf einmal „Die Hottentotten sind da“, blieben aber aus.
December, d. 11.
Br. Brinker von Barmen trifft hier ein
December, d. 12.
Bestimmte Nachricht durch Spione, die Namaquas seien ganz nahe in den Bergen nach Süden und würden gewiss am nächsten Tage Otyimbingue angreifen. Es wurden nun die nöthigsten Vorkehrungen getroffen und Posten ausgestellt, und war heller Mondschein.
December, d. 13. (Gefecht bei Otjimbingue)
Als eben der Tag angebrochen war und die Glocke zur Andacht läutete, entdeckten wir auf einmal die heranrückenden Namaquas. Beide Glocken begannen zu läuten, und die Fahne wurde schnell ausgehangen als Zeichen: der Feind ist da. Die Namaquas umringten unseren Platz von 3 Seiten, griffen den alten Wilhelm mit seinen Leuten tapfer an und trieben sie von ihrer Werft bis auf unseren Platz, wo sie in den aufgeworfenen Graben ihre Positionen nahmen.
Br. Hahn hatte die Kirche als Schutzplatz für die Missionsgeschwister ausersehen, und Schwester Hahn, welche von ihrer Krankheit noch nicht genesen war, wurde in die Kirche geleitet, wohin sich auch die ganze Missionsfamilie begab. Die Kugeln flogen schon bis auf den Platz. Schw. Kleinschmidt mit ihren Kindern war schon am vorigen Abend zu uns herübergekommen, wie auch Br. Viehe und Baumann. Das Gefecht dauerte fort, und den Leuten ging das Pulver aus. Auch ihr Blei war bald alle, und wir mussten nun aushelfen und fortwährend Pulver austheilen und Kugeln gießen. Und so dauerte das Gefecht weiter bis an den Abend. Vieles Vieh fiel schon gleich in die Hände der Namaquas, wie auch Willems Haus und Timbo seine beiden Häuser, welche sie nachmittags ansteckten, vielleicht mit dem Vorhaben, dass der Wind das Feuer auf unseren Platz wehen sollte und auch unsere Gebäude anstecken. Glücklicherweise war der Wind am selbigen Nachmittage sehr schwach und blieb alles unversehrt. Die Kamahereroschen Leute vertheidigten bis an den Abend den nördlich der Station gegenüberliegenden Hügel, bis endlich die Namaquas ihn nicht mehr halten konnten und die Flucht ergriffen. Der Fluss war den ganzen Tag mit Namaquas besetzt, und wurde fortwährend auf die Vertheidiger der Station geschossen. Br. Viehe, welcher öfter von einem Haus zum anderen ging und ein weißes Tuch um den Hut hatte, und wahrscheinlich von den Feinden für Br. Hahn gehalten wurde, hätte leicht sein Leben verlieren können, indem mehrere Male die Kugel dicht vor ihm vorbeiflogen. Auch auf Br. Baumann, welcher Blei aus dem Store holte, wurde geschossen. Gott aber hat uns alle bewahrt und den Rath unserer Feinde zunichte gemacht. Dafür konnten wir ihn noch am selbigen Abend loben und preisen. Mr. Green, Een, Candido und Hickey und Baker waren tags zuvor hier eingetroffen und bezogen Mr. Irens Haus. Mr. Green war der Wachthabende und versah mit seinen Leuten die erste Nachtwache, indem Br. Baumann, Felling und ich andern Morgens um 3 Uhr ans Kugelgießen gingen, woran auch die Jungens halfen.
December, d. 14.
Wie es hell wurde, hörten wir auf, Kugeln zu gießen, und nach der Andacht machten Br. Hahn, Brinker, Felling und Baumann einen Rundgang um die Station, wo die Namaquas ihre Stellung gehabt hatten, gingen zunächst nach dem uns gegenüberliegenden Hügel. Als wir eben vom Platze gehen wollten, kamen die Herero mit einem Toten aus dem Flusse, und die Weiber beklagten ihn. Auf dem Hügel entdeckten wir an der einen Seite einen Bergdamara und eine Namaqua und an der anderen Seite 2 Herero. Weiterhin fanden wir auch noch einen Namaqua und 3 Hereros. Mehrere tote Pferde sahen wir. Auch wurde uns der Platz gezeigt, wo der weiße Mann gefallen sein sollte mit seinem Pferde. Sein Leichnam war nicht vorhanden, sondern sollte von den Namaquas mitgenommen sein. Von da gingen wir nach Willems abgebranntem Hause und fanden noch einige Stücke brauchbares Eisen im Schutt. Dann gingen wir nach Timbos Brandstätten und fanden auch nichts als Schutt zwischen den Mauern liegend, außer ein wenig Korn, welches sie aus denselben hervorgesucht hatten. Und ein Häufchen Korn war noch am brennen. Von einigen Verwundeten wurden wir aufgehalten, und gingen nachher Brinker und ich zu ihnen, um sie zu verbinden. Und nachmittags gingen wir beiden zu einemcSchwerverwundeten, um ihm das Wasser abzuzapfen. Es ließ sich am selbigen Tage noch nicht bestimmt sagen, wieviel Tote und Verwundete die Herero hatten. Man sagte von 15 Toten und Verwundeten. Viel weniger konnte man ersehen, wieviel Tote die Namaqua hatten. Sie hatten etliche im Fluss begraben und wahrscheinlich viele mitgenommen. Abends wurde wieder von Mr. Green die Wache arrangiert.
December, d. 15. (Sonntag)
Wir waren alle voll Dank und Lob gegen den treuen und allmächtigen Gott, dass wir nun wieder ins liebe Gotteshaus gehen konnten und uns gemeinschaftlich stärken konnten an der Predigt des Wortes Gottes. Br. Viehe hatte die Predigt und machte in derselben darauf aufmerksam, dass der Herr es doch nicht zugegeben hätte, dass die erst vor 14 Tagen eingeweihte Kirche sollte von den Feinden zerstört werden. Nachmittags machte ich mit Br. Viehe einen Rundgang bei den Verwundeten auf Kamahereros Werft. Es waren meistens leicht verwundete, wurden aber nicht ganz fertig und wollten am nächsten Tage Fortsetzung machen. Die Frauen auf der Werft beklagten die Gefallenen, die Thränen liefen an die Wangen herunter und war jämmerlich anzusehen, umsomehr, da sie keinen wahren Trost und keine Hoffnung hatten noch kannten. Ich ging nun allein zu Schwerverwundeten in unserer Nähe, um ihm das Wasser abzuzapfen. Weil aber der Katheder geknickt war, wollte es nicht gelingen. Versäumte deshalb die Bibelstunde, welche Br. Brinker hielt und gingen nach dem Abendessen zu den Verwundeten Br. Hahn, Brinker und ich. Br. Viehe holte einen neuen Katheder und kam auch. Weil aber der Kranke keinen guten Lagerplatz hatte, nahmen wir ihn mit uns und sorgten für ein angenehmeres Lager in Br. Baumanns Hause und konnten ihm nun mit dem neuen Katheder das Wasser entfernen.
Weil die Herero den Feind nicht verfolgten und er noch in der Nähe war, mussten die Nachtwachen festgesetzt werden. Br. Felling, ich und auch die anderen Brüder hatten jede Nacht an derselben teilzunehmen.
December, d. 16.
Nachdem der Ochs, den Br. Hahn bei Kamaherero für eine Kuh eingetauscht hatte, geschossen war, ging ich zu Br. Viehe, um gemeinschaftlich mit ihm die Verwundeten zu verbinden. Schw. Kleinschmidt war wieder nach ihrem Hause gezogen und Br. Hahn und Brinker waren da zum Besuch und gingen mit zu den Verwundeten. Einem Verwundeten wurde ein Finger abgenommen. Nach dem Frühstück hatte ich auf Willems Werft noch mehrere Verwundete zu verbinden. Einem unter ihnen musste ich einen Finger abnehmen. Nachmittags wurde auf Br. Hahns Anordnung zum Schutz der Station gegen die noch möglich zu erwartenden Namaquas noch ein Graben am Wall aufgeworfen und das Gestrüpp, von wo aus die Namaquas mehrere Hereros erschossen hatten, abgehauen und 2 Pontoks niedergerissen. Des Nachts war wieder Wache.
December, d. 17.
Fortsetzung am Auswerfen des Grabens und Abhauen des Gestrüpps. Abends ließ ich dem Schwerverwundeten den Urin ab, und war der Kranke ziemlich ruhig.
December, d. 18.
Morgens früh starb der Schwerverwundete. Die Kugel hatte das Rückenmark verletzt und ganz unerwartet bekam er Schlagfluss, wonach sein Ende bald folgte. Der Verstorbene hatte schon seit längerer Zeit den Taufunterricht genossen und wurde deshalb auf christliche Weise begraben mit Gesang und Gebet. Br. Hahn hielt auch eine kleine Grabrede. Um 9 Uhr hatten sich nahe an 1000 Hereros auf unseren Platz begeben und machten da ihre wilden heidnischen Krieges-Zeremonien. Abends Conferenz.
December, d. 19.
Morgens mit Tagesanbruch kam Samuel Gertze mit Frau und Kindern von Anawood hierher geflüchtet. Die Namaqua wollten den Platz einnehmen. Samuel hatte Kühe und Schafe auf dem Platze gelassen, den größten Theil Ochsen mit seinem Bruder Johannes nach den Rehoboters treiben lassen und etwa 20 durch einen Bergdamara weit herum nach Otyimbingue.
December, d. 20.
Nach dem Frühstück war Bittstunde, woran auch die Engländer teilnahmen. Br. Hahn hatte den Text aus Psalm 50, 15 „Rufe mich an in der Not usw“. Wir hatten indessen genaue Nachricht von Anawood bekommen, dass der Feind sich daselbst niedergelassen habe, 300 Stück Schafe, 70 Stück Kühe und über 20 Müt Korn waren in ihre Hände gefallen und ließen es sich wohlschmecken. Die Herero hatten gar keine Luste [Lust], sie zu verfolgen, sahen aber bald keinen Ausweg, weil sie, solange sie in der Nähe waren, Abschießerei zu erwarten hatten. Die Nachtwachen wurden noch immer fortgesetzt. Br. Felling und ich wurden keine Nacht überschlagen.
December, d. 21.
Heute machte sich ein großer Trupp Leute auf, etwa 700, um die Namaqua zu umzingeln und am Sonntagmorgen mit Tagesanbruch zu überfallen. Br. Hahn meinte, die Namaquas könnten uns, im Fall die Herero überwunden würden, am Sonntagmorgen angreifen, und warfen noch einen Graben aus, wobei es uns so dunkel wurde, dass wir nicht die Hand vor Augen sehen konnten.
December, d. 22.
Man war neugierig, was uns dieser Tag bringen würde, man wusste nicht, ob man die Gewehre mit in die Kirche nehmen sollte oder nicht, kam aber doch kein Gewehr in die Kirche, und die Namaquas ließen sich nicht vernehmen.
Br. Hahn predigte über die Epistel „Freut euch in dem Herrn allewege“. Nachmittags um 3 Uhr kam plötzlich die Nachricht durch einige Pferdereiter, dessen Pferde von den Namaquas erobert waren, dass wirklich die Hereros mit Tagesanbruch die Namaquas überfallen hätten und den Sieg davongetragen [haben]. 9 Namaquas waren auf dem Platz gefallen und noch über 20 beim Verfolgen, letztere besonders durch Assegeien. Die Hereros waren in der Nacht ganz unbemerkt auf allen Vieren auf die Berge rings um den Platz gekrochen, so dass nur der Fluss offen war. An der einen Seite fingen sie kräftig an zu feuern, und machten die Namaquas einen Versuch, die andere Seite des Berges zu erklimmen, wurden aber auch da von den Kugeln begrüßt. 2 Hereros sind in dem Gefecht gefallen und einer bloß verwundet. Es hieß, Jan Jonker. Habe tags zuvor mit einem Trupp Leute den Platz verlassen, um bei den Rehoboters Pulver und Blei zu holen und sich womöglich mit ihnen zu verbinden, um gegen die Herero zu kämpfen. Jan benutzte bei dieser Gelegenheit die Karre vom seligen Br. Kleinschmidt. Außer Jan war noch Capitain Jakobus Buis auf Anawood und ein Unter-Capitain vom rothen Volke. Ein Damara war auf dem Platze geblieben, ist aber, ohne auf ihn zu hören, von seinen Landsleuten niedergeschossen.
December, d. 23.
Als wir zum Mittagessen gehen wollten, kamen die Hereros von ihrem siegreichen Zuge von Anawood zurück. Samuels Wagen brachten sie mit. Auch hatten sie einige Pferde erbeutet, und einer hatte einen Regenschirm. Man meinte, er wäre von dem weißen Mann, machten dabei ein großes Spektakel, indem sie mehrere Male ihre Gewehre zusammen luden und abfeuerten. So sehr
uns auch der Sieg freute, den die Hereros auf Anawood erfochten hatten, so war es umso betrübender für uns, dass sie uns alles, was noch übrig geblieben war von Vieh und Sachen von Samuel geraubt und vernichtet hatten. Samuel hatte einige Kisten mit Kleidern in die Erde gegraben und 5 m Weizen, wovon die Namaquas 2 Müt übergelassen haben. Von den Kleidern haben sie auch nur wenig genommen. Die Hereros hatten auch bei Mr. Green und Rence niederträchtig gehaust, Schreibpult und Medizinflaschen in Stücke gemacht.
December, d. 24. (Erster ordentlicher Regen)
Jetzt begann es ruhiger zu werden, wiewohl man immer noch nicht wusste, ob die Namaquas nicht noch einmal einen Angriff auf Otjimbingue wagen würden, so war es doch nicht zu vermuten, umsomehr weil starke Regen fielen, und feierten umso ruhiger Christabend. Bruder hielt die Predigt über die liebe Weihnachtsgeschichte. Besondere Freude über äußere Sachen, Geschenke fehlten und der Gesang der Kinder auch. Gut, dass uns die wahre Freude nicht fehlte. Die konnte ja niemand von uns nehmen.
December, d. 25. (Weihnachten)
So konnten wir nun nach vielen Unruhen, die der Krieg mit sich gebracht hatte, ruhig Weihnachten feiern. Gott sei dafür gedankt und gepriesen! Doch waren unsere Herzen nicht recht festlich gestimmt. Der Verlust, den wir durch den Krieg erlitten und die Undankbarkeit der Hereros wie auch ihre Greuelthaten, beschwerten unsere Gemüther. Aber umso willkommener war uns das liebe Weihnachtsfest, welches uns den vor die Augen malte, von dem Jesaias [Jesaja] sagt: „Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, welcher Herrschaft ist auf seiner Schulter und er heißt: Wunderbar, Rath, Kraft, Held, Ewigvater, Friedefürst.“ Ja, was wären wir ohne Weihnachten! Wir hätten [einen] Heiland, der da helfen kann in Noth und Tod. Was hat doch Weihnachten nicht alles gebracht für arme Sünder. Dies ist ein rechter Trost in betrübten Tagen, und das durften wir auch reichlich erfahren. Br. Brinker hatte die Festpredigt und Br. Hahn abends die Bibelstunde.
December, d. 26. (2. Weihnachtstag)
Br. Viehe predigte übers Evangelium. Kurz vor Mittag wurde Schw. Brinker von einem Söhnlein glücklich entbunden.
December, d. 29.
Morgens früh kam Johannes Gertze mit den Ochsen von Bockeberg, hatte aber die Hälfte verloren. Sogleich wurden 4 Mann ausgeschickt, um die verlorenen Ochsen aufzusuchen. Br. Hahn predigte übers Evangelium und Br. Viehe hielt abends die Bibelstunde.
Januar, d. 7. 1868
Hahns gehen nach der Bay und Brinkes Söhnlein gestorben.
Januar, der 14.
Br. Brinker kehrt nach Barmen zurück.
Februar, d. 2.
Hahns kommen von der Bay zurück.
Februar, d. 3.Hälbich kommt von der Bay zurück.
Februar, d.1. Samuels Söhnlein von Br. Viehe getauft und am selbigen Tage gestorben.
Februar, d. 19. Br. Baumanns Hochzeit
May, d. 11.
Ich ging mit Samm Gertze und Gemeindegliedern nach dem Omaruru um zu säen.
Juni, d. 6.
... wurde von Br. Hahn wegen dem Überfall an der Bay abberufen und sollte wegen der Gefahr, dass auch Otjimbingue angegriffen wurde, mit Ochsen und Wagen und den letzten Männern so schnell wie möglich kommen.
Juni, d. 9.
kam ich mit 2 Wagen, Männern und 6 Spann Ochsen auf Otjimbingue an.
Juli, d. 3.
Conferenz mit den Engländern zusammen
Juli, d. 4.
Kamaherero kommt auf Otjimbingue an.
Juli, d. 6.
Letzte Conferenz mit den Engländern, und Br. Felling geht mit 2 Wagen nach der Richtung von Barmen, um Holz zu holen und Kamaherero reist mit ihm.
Juli, d. 7.
Die Engländer und Br. Böhm verlassen Otjimbingue und Br. Hahn reist mit nach Bockeberg. Abends Nachricht von der Ankunft des Kriegsschiffes in Walfischbay.
Juli, d. 11.
Br. Hahn kommt von Bockeberg zurück. Morgens 10 Uhr kommt der Viehwächter mit der traurigen Nachricht, dass das Vieh geraubt ist. Unsere Leute eilen den Räubern nach und kommen abends ohne das Vieh zu Hause [an]. Und wir haben vermisst: 25 Ochsen, 5 Kühe, und 8 Stück Kleinvieh. Renci hat über 30 Stück Rindvieh verloren, und die Leute haben auch alles Vieh verloren.
Fehlt hier was?
Januar, d. 6. 1869
Br. Hahn reist mit seiner Frau nach Schmelenshoop [13] und am selbigen Tage begann es zu regnen.
Januar, 7., 8., 9. u. 10. Regen
11. der Fluss kam ab
12. Regen
13. Nachts kam der Fluss wieder stark ab
16. Abends kam der Omusema sehr stark ab
19. Starker Regen
25. Seit dem 19. kein Regen und die Heuschrecken kommen
31. Die Heuschrecken haben alles kahl gefressen.
Februar, d. 4.
Hahns kommen wohlbehalten von Schmelenshoop zurück und Br. Hahn erzählte in der Conferenz von seiner Reise Erfreuliches
Februar, d. 6.
Schlägerei mit den Jungens und Iron wird vorgenommen.
Februar, d. 22.
Erfreuliche Nachricht durch Herrn Ritter von der Ankunft der rheinischen und finnischen Geschwister, worunter auch meine liebe Braut.
Februar, d. 25.
Hahns und Br. Baumann reisen nach der Bay, um die Geschwister zu empfangen.
März, d. 13.
Br. Felling begleitet mich mit Elias, Matteus und Franz, um meiner Braut entgegenzugehen.
März, d. 15.
Früh morgens erreichen wir Anawood, die Kost war bereits auf. Mittags hatten wir Suppe von Vasanen [Fasanen] und am Abend von Perlhühnern.
März, d. 16.
Brachen auf sonder [ohne] Nahrungsmittel, nach Ovab zu. Nachts nach 12 Uhr kamen wir diesseits, ein paar Stunden Wegs von Ovab, an und entdeckten Wagenspuren.
März, d. 17.
Mit Tagesanbruch sattelten wir wieder auf und ritten den Wagenspuren nach. Ganz nahe war eine Werft. Da erfuhren wir, dass die erwünschten Wagen auf Zoubis (Tsoabis) zugefahren seien. Wir ritten nun den Wagen entgegen, kamen bei einer Werft vorbei, wo wir etwas Milch in unseren hungrigen Magen bekamen. Als wir noch ein wenig geritten waren, fanden wir die Stelle, wo die Wagen des Nachts ausgespannt hatten, und wo auch meine liebe Braut geruht hatte. Nun wollten wir schnell hinter den Wagen drein, doch Ochsen und Pferde waren todmüde. Gut war es, dass Gras da war, wodurch sie sich schnell erholten, so dass wir weiterreiten konnten. Um 9 Uhr erreichten wir die Wagen und konnte nun endlich meine langersehnte Braut begrüßen und in meine Arme schließen. Die anderen Reisegefährten waren: Br. Irle und Kurwinen, Veitti und Baumanns.
März, d. 19.
Heute kamen wir auf Otjimbingue an und war für mich eine große Freude, meine liebe Braut da einführen zu können. Das Grüßen wollte kein Ende nehmen. Auch durften wir die Brüder, die schon tags zuvor gekommen waren, begrüßen: Weikelin, Yurvelin, Pyreinen, Yuntenen und Knaap-
März, d. 26. Kharfreitag [Karfreitag]
Abendmahlsfeier. Nachmittag erhielten wir die Nachricht, dass der größte Theil des Viehes von einigen Namaquas und Bergdamaras genommen sei. Unsere Leute jagten sie [ihnen] eiligst nach.
März, d. 28.
Das Vieh bringen die Leute alle wieder zurück, nur Schw. Kleinschmidts Kleinvieh fehlt, und konnten wir umso fröhlicher Ostern feiern.
März, d. 31.
Heute war Hochzeit, wo ich durch Gottes Gnade meiner lieben Braut die Hand zum Ehebunde reichen durfte. Br. Brinker traute uns in der Kirche. Der Brauttext war Psalm 121 „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen usw.“ Alle Geschwister nahmen an der Hochzeitsfeier Theil und waren Br. Brinker, Hälbich, Baumann mit Frau und Br. Irle, Felling und Knaap, die finnischen Brüder waren: Jurwelin, Weikelin, Pyreinen, Juntenen und Kurwinen.
April, d. 1.
Heute fuhr ich mit meiner lieben Frau und 4 Wagen am Nachmittag von Otyimbingue nach Walfischbay zu, wo ich Br. Hahn abholen sollte, und spannten abends diesseits Anawood aus.
April, d. 2.
Morgens sehr früh fuhren wir bis Anawood und blieben beinahe bis Abend da.
April, d. 10.
Morgens um 8 Uhr kamen wir mit 8 Wagen in der Bay an. Ein kleines Gewehrfeuer war das Signal unserer Ankunft. Die Geschwister waren froh und waren des Wartens an der öden Bay müde. Sie gratulierten uns als junge Eheleute und brachten uns auch noch einige schöne Lieder. Als wir einige Stunden da waren, schrieben wir nach Gütersloh.
April, d. 11.
Sonntag und holländische Predigt von Br. Hahn. Nachmittags ein Ständchen von den finnischen Brüdern mit Posaunen, danach noch einige Lieder. Schwester Minette, Margarete Hahn und Br. Diehl halfen auch dabei.
April, d. 12.
Sachen gewogen und aufgeladen. Abends mit dem Dunkelwerden fuhren wir aus der Bay. An unserem Wagen brach die Deichsel und [wir] mussten halbwegs übernachten.
April, d. 23.
Morgens, als es eben Tag war, kamen wir Geschwister, Br. Hahn mit Frau und Tochter, Br. Diehl, Minette Vogt, (Br. Viehes Braut) und die finnischen Brüder Malmström, Pyörklond, Heinonen, Rautonen und Tollenen durch den Fluss gefahren mit 14 Wagen, machten erst noch ein wenig vor der Station halt, und zogen dann feierlich auf Otyimbingue ein. Viele Freudenschüsse fielen von seiten der Wagen und der Station. Beim Frühstücken brachten die Getauften einige Lieder unter Br. Baumanns Leitung.
Mai, d. 6.
Himmelfahrt und Einleitungspredigt zur Conferenz von Br. Brinker und Abendmahlsfeier.
Mai, d. 7.
Die Conferenz beginnt und Br. Hahn hält zuerst eine Ansprache. Die finnischen Brüder nehmen auch Theil daran. Mittags Festessen im Wagenhause.
Mai, d. 8. Fortsetzung der Conferenz
Mai, d. 9. Sonntag, Br. Böhm predigt.
Mai, d. 10. Die Conferenz wird beendet, Br. Böhm spricht das Schlussgebet.
Mai, d. 16. Pfingsten und Tauffest
Mai, d. 23. Confirmation
Mai, d. 26. Br. Viehe kömmt von seiner Reise nach dem Cap glücklich wieder auf Otyimbingue an.
Mai, d. 31.
Extra-Conferenz gehalten und berathen, ob Br. Brinker wieder nach Barmen zurückkehren soll. Alle Brüder glaubten, er könne in Gottes Namen ziehen.
Juni, d. 2.
Br. Brinker, Irle und Knaap ziehen nach Barmen.
Rückblick und Biographie
Am Wochenende vom 15. - 17. September 2017 versammelten sich über 140 Nachkommen von Johann Wilhelm Redecker und deren Angehörige auf der Farm Westfalenhof, um das hundertundfünfzig jährige Jubiäum der Redecker Familie in Namibia zu feiern.
Johann Wilhelm Redecker hatte am 1. Juni 1867 in Otjimbingwe als Landwirt für die Rheinische Mission unter Hugo Hahn seine T�tigkeit begonnen. Von Johann Wilhelm Redecker stammen die in Namibia bekannten Familien Gerdes, Junker, Staby, Stritter, Böhlke, Esslinger, Scriba, Friederich, Seifart, Heinz und Nowack ab.
Einer der Söhne von Johann Wilhelm Redecker war Gottlieb Redecker, Architekt und Regierungsbaumeister, der die Christuskirche, den Tintenpalast und viele andere Gebäude in Namibia entwarf und bei deren Bau beteiligt war. Unter seiner Leitung entstand auch die erste Maschinenfabrik (Ochsenwagen Fabrik) in Otjimbingwe.
Zur 150-Jahr Feier kamen Familienangehörige aus Amerika, Australien, Neuseeland, Deutschland und Südafrika. Am Freitag reisten die ersten Gste an und ließen sich rund um das Farmhaus von Westfalenhof mit ihren Zelten und Wohnmobilen nieder. Westfalenhof ist seit 121 Jahren im Besitz der Familie Redecker. Abends nach einem "Bring und Braai" wurde am Lagerfeuer gesungen und es wurden Geschichten erzáhlt.
Am Samstag fing der offizielle Teil der Jubiläumsfeier mit einem Besuch in Otjimbingwe an. Bis zum Mittag hatten alle Gäste sich im Festzelt auf Westfalenhof versammelt und es bekam jeder Zweig der Familie die Gelegenheit, über seine frühe Geschichte in Namibia zu berichten.
Am Sonntagvormittag hielt Pastor Rudolf Schmid von der Windhoeker Evangelischen Gemeinde einen Gottesdienst. Nach dem Mittagessen machten die meisten Gäste sich auf den Heimweg und bereits am Montagmittag war auf Westfalenhof wieder alles beim alten und wenn man nicht dabei gewesen war, hätte man es nicht für möglich gehalten, dass 140 Nachkommen der Familie Redecker noch am vorigen Tag dort versammelt waren.
Fast ein Jahr lang hatte man die Logistik und das Festprogramm geplant und verwirklicht. Ein gelungenes Fest, aber leider doch zu wenig Zeit, um mit den vielen anderen Gästen ausreichend Gedanken und Neuigkeiten auszutauschen.
Ein Gedanke, der zurückblieb wie wird es in 50 Jahren oder sogar in 150 Jahren aussehen? Werden die Redeckernachkommen entweder zu viele sein, um an einem Ort solch ein Jubiläum zu feiern oder wird es nur noch wenige geben? Sicher ist, dass mit Gottvertrauen und harter Arbeit in den vergangenen 150 Jahren sehr viel vollbracht wurde. Als Abschluss frei nach Hans-Eric Staby: Wer nicht weiß woher er kommt, weiß auch nicht, wohin er unterwegs ist.
Johann Wilhelm Redecker
Wir sind hier auf Westfalenhof zusammengekommen, weil wir Nachfahren von Johann Wilhelm Redecker sind und uns heute noch miteinander verbunden fühlen.
Über das Leben von Johann Wilhelm Redecker wissen die meisten ja einiges. Ich will heute einen kurzen Überblick über seine Jugend geben.
Johann Wilhelm Redecker wurde am 29. September 1836 in Jöllenbeck bei Bielefeld geboren. Als er sieben Jahre alt war, starb der Vater und ein halbes Jahr darauf, die Mutter. Die Brüder der Mutter, sie war eine geborene Brönger, nahmen je einen der drei Söhne auf. Einer der drei Brüder war der Stammvater von Klaus und Rolf Redecker. Brönger war Leineweber und hatte eine kleine Landwirtschaft, wo nicht mit Pferden gepflügt wurde, sondern es musste mit der Schippe umgegraben werden. Nach der Konfirmation, als Johann Wilhelm 15 Jahre alt war, sollte er Lehrer werden, weil die Leinenweberei nicht mehr so gut ging. Sein Lehrer riet ihm jedoch ab, weil er sich oft ärgern müsse, so dass er lieber Nachtwächter geworden wäre. Mit 17 wollten er und sein jüngerer Bruder nach Amerika auswandern. Der Pflegevater wollte nichts davon wissen und sagte: Euch Jungens in eurer Blindheit laufen zu lassen, das wäre ja noch schöner! So lernte Johann Wilhelm beim Onkel Landwirtschaft und Leinenweberei.
Mit 21 musste Johann Wilhelm seinen Wehrdienst ableisten, das waren damals drei Jahre und er trat als Soldat beim Füsilier-Bataillon als Infanterist in Bielefeld ein. Nach einem Jahr kam er ins Lazarett als Sanitäter. Nach dreijähriger Dienstzeit kehrte er ins Haus seiner Pflegeeltern zurïck.
Als er 25 Jahre alt war, veranlasste sein Konfirmationspastor, Volkening, dass er ins Barmer Missionshaus gerufen wurde zum Dienst im Garten und in der Landwirtschaft dort. Nach vier Jahren bat er, als Missionar oder im äußeren Dienst angenommen zu werden. Er lernte die holländische und englische Sprache und die Leitung in Barmen beschloss, ihn als Missionslandwirt nach Deutsch-Südwestafrika zu senden. 1867 kam er in Walfischbucht an.
Wir wissen, dass unseren Vorfahren der christliche Glaube und ein entsprechendes Leben sehr wichtig waren. Viele von uns bemühen sich heute noch, nach dem christlichen Glauben zu leben, auch wenn es heute oft andere Formen annimmt. Doch die Liebe Gottes umfängt uns alle damals wie heute, und wir können mit Bonhoeffer sagen: Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend um am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Unser Beisammensein soll dazu dienen, dass wir Alten die Jungen kennenlernen und umgekehrt natürlich auch und wir wollen uns alle wieder etwas näherkommen.